— 116lonius: Was leset ihr da, mein Prinz? — Hamlet: Worte,Worte, Worte!) Müssen wir dann hinsichtlich der Ausführungdie kräftige Haltung des Ganzen und den Fleiß bei den Detailsrühmen, so vermissen wir doch die Verschmelzung der einzelnenPartieen zu einem harmonischen Ganzen, das Antlitz der Mutterist zu flach, der Leichnam einer trüben Marmorstatue ähnlich.Meisterhaft sind dagegen mehrere Partien der Gewänder aus-geführt, und die Köpfe der beiden Engel, obgleich einander zuähnlich, sind doch gar lieblich anzusehn.“ Das Urtheil des HerrnCarové ist vom modernen Standpunkte aus so ziemlich richtig,obwohl es den Künstler wenig befriedigt haben wird, und seinegeheimsten Motive gewiß nicht beleuchtet hat. Schade nur, daßdiese Motive in unsre rationelle geflügelte Zeit so schlecht passen,wie die schweren Meßgewänder auf die beflügelten Schulternder Engel.Das neueste christliche Bild Schadow's stellt die „Tochterder Herodias“ mit dem Kopfe des Johannes auf derSchüssel vor. Niemand, außer der Scharfrichter etwa, kann esuns übel nehmen, daß wir auch an diesem Gerichte wenig Geschmackfinden, obwohl die Sauce ganz vortrefflich ist. Die Darstellunggehört zu denjenigen, welche uns, selbst in noch höherm Gradeals die der Judith, wahrhaft Abscheu erregen, weil sie allerAesthetik und psychischen Wahrscheinlichkeit Hohnsprechen. Die jugendliche zarte Weiblichkeit (das irdisch Schöne)und der blutige Tod (das Unnatürliche und Widerliche) werdenhier ohne innere Nothwendigkeit in Verbindung gebracht, einzigund allein der biblischen Sage zu Lieb. Man könnte uns ent-gegnen, daß die frappantesten Antithesen im Gebiete der Kunstunabweislichen Reiz ausüben, was wir gern zugestehen, alleinwir glauben, daß in einer künstlerischen Darstellung das unter
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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