117sich Fremdartige zwar zulässig ist, keineswegs aber das deminnern Wesen der Kunst Heterogene. Und wie wir auf dereinen Seite alles Ueberirdische, die engen Grenzen der Kunstsowohl als die weit ausgedehnteren des rationellen GedankensUnbeachtende, als unmalerisch und unästhetisch verwerfen; — aufgleiche Weise verabscheuen wir auf der andern das unnatürlichGemeine, das unmenschlich Widerliche, welches ebenso entferntvon dem gebildeten Gedanken nach unten ist, wie jenes nachoben. Ein abgeschnittenes bluttriefendes Haupt ist nicht blosein schauerlicher Gegenstand (wenn auch ein gemaltes langenicht in dem Grade wie ein wirkliches), auch gewissermaßen einunnatürlicher Gegenstand, aber die Situation wird unausstehlichwiderlich, wenn dieses abgeschnittene Haupt von einem zartenweiblichen Wesen auf einer Schüssel getragen wird. — SchonAristoteles sagte, daß die Kunst über der Wirklichkeit stehe,und zu seiner Zeit war diese Bemerkung wahrlich nicht so nöthigals in der unsern, wo es den anerkanntesten Künstlern an denbloßen Anfangsgründen der Aesthetik gebricht, und alle mehroder weniger in dem dichten Spinnengewebe des Aberglaubensund verjährter Ansichten zucken. Die reine Natur sei des Künstlerseinzige Bibel, woraus er seine Stoffe wähle, und er vergessenie, daß, je tiefer er aus dem klaren Born der Natur schöpft,je freier und selbstständiger sein Kunstwerk sein wird. NurUnverständige und Böswillige werden aus unsern Worten her-ausdeuten, daß wir die Grenzen der Kunst zu enge ziehen;gewiß wird die wahre Kunst einer größern Freiheit und Wür-digung in ihrer natürlichen Begrenzung genießen, als in kindischenAusschweifungen, die mit der Zeit in sich selbst verfallen.
Druckschrift
Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
Seite
117
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten