—115Priester als Mittler zwischen den Gläubigen und dem Heilandrein und mitleidend sein soll, wie ein Engel. Läßt sich vondiesem Gesichtspunkte aus die Erfindung des Bildes verstehenund rechtfertigen, so dürfte doch von dem rein künstlerischenStandpunkte aus gar Manches dagegen einzuwenden sein. VorAllem vermißt man darin die innere Einheit, das lebendigeBand, welches die Hauptmomente zu einem untrennbaren Ganzenverknüpft. Die Engel stehen in keiner directen Beziehung zuden beiden Hauptfiguren, denn sie wollen nur den Betrachteran ein überstandenes Leiden erinnern. Die Mutter des Heilandesaber ist ganz in das Anschauen ihres Sohnes versenkt, undscheint von der Gegenwart der Engel Nichts zu wissen. Dieseendlich, indem sie zur Gemeinde gewendet sind, nehmen nichtwahrnehmbar Theil an dem Schmerze der Mutter. Wie nundie Engel, so weisen selbst auch die Beiwerke über das Bildhinaus, da man sowohl das Kreuz als die Lanze nur Stück-weise sieht. Was die Anordnung und Zeichnung betrifft, sosind die Engel durch die breiten schweren Gewänder zu schwer-fällig geworden, ihre Stellung ist zu gleichförmig, der zurRechten des Betrachters stehende scheint sogar den Schwerpunktverlieren zu wollen (?). Dem Leichnam des Herrn aber mußman eine andre Lage wünschen, welche die Muskeln des Halsesweniger stark hervortreten ließe. Am wenigsten dürfte man sichhinsichtlich des Ausdrucks befriedigt finden. Den Engeln fehltin den Zügen sowohl das Ueberirdische (wie kann denn diesesder Maler mit irdischen Farben ausdrücken, im Falle es ihmbekannt wäre!!) als das irdisch Tiefpathetische; Maria scheinteher leidensmüde (!) als in Schmerz verloren, und die Zügeihres Sohnes zeigen nicht jene Verklärung, die nach dem Todedie Spuren des Leidens in heilige Befriedigung auflöst. (Po-
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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