110 —anerkannt, um so mehr bedurfte es einer geistreichen und origi-nellen Auffassung, Christus im Momente nach der Auferstehungdarzustellen.Im Allgemeinen werden die Maler am sichersten gehen,wenn sie Christus in seiner Qualität als Moralist, Wunderthäter 2c.nach der uralten Tradition: „einfach, kalt und streng geistig-bilden; in seiner passiven Stellung als Opferlamm aber derweichen sanften Manier der Künstler des 15. Jahrh. folgen,welche in seinen Zügen eine weibliche Demuth und rührendeTrauer abspiegelten. Christus als Auferstandener ist wohl nochvon keinem Künstler würdig dargestellt worden; als Hauptgrunddavon wollen wir annehmen, daß die engen Grenzen der Kunstdie edelsten Auffassungen nicht zur Wesenheit kommen lassen.Die Intuitionen der Künstler entschwinden unter der arbeitendenHand, und das Dargestellte zeigt nur einen fliegenden schönenMenschenkörper mit verzückten Augen, oder eine Gestalt, diehalb Leiche, halb Geist in verschwommenen Umrissen eine demmenschlichen Verstande unbegreifliche Handlung begeht, welchesLetztere auch gemeiniglich durch die verwunderten dummen Ge-sichter der Grabeswächter bestätigt wird. Es gibt nicht einmaleine Alternative bei der Darstellung der Auferstehung; sie dürftenur ganz geistig und idealisch aufgefaßt werden, und dies kannsie nicht, der materiellen Schranken wegen; eine halbgeistige,halb körperliche und jedenfalls ganz widerliche Darstellung ver-wirrt und beschmutzt das Symbol. — Die Vorstellung Göthe'svon dem aus dem Grabe hervortretenden Christus wirddem ausübenden Künstler sicher nicht ganz verständlich sein, undam Ende weder die Idealisten noch die Frommen befriedigenGöthe sagt nämlich: „Die herabsinkenden Grabestücher werdenGelegenheit geben, ihn, den göttlich auf's Neue Belebten, in
Druckschrift
Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
Seite
110
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten