105würdiger Stoff der bildenden Kunst betrachtet werden; — aberdieses Haupt nach alter Tradition stets unverändert mit röthlichem,gespaltenem Barte, ohne Runzel und Flecke, mit mäßiger Rötheim Gesicht und mit leuchtenden oculis variis (nach dem Briefedes Lentulus) darzustellen — das scheint uns an theologischeBornirtheit zu grenzen. Und doch ist es so und tritt in andrerBeziehung noch schroffer hervor.Was ist lieblicher anzuschauen im Leben wie im Bilde, alseine Mutter mit ihrem Kinde; aber diese modernen Madonnenmit ihren prüden Blicken, mit ihren steifen traditionellen Hal-tungen und blau und rothen Gewändern, und der alte Sit-tenprediger im Blicke des Kindes mißfallen uns.Auch die häusliche Innigkeit und der romantische Zauber,die so wohlthuend aus Abbildungen der heiligen Nacht, derAnbetung der Könige, der Flucht nach Aegypten u. s. w. her-vorleuchten, erfreuen uns innig, aber wir lieben nicht die ewigeEinförmigkeit, den alten herkömmlichen Typus der Auffassungmit dem man so bekannt geworden ist, wie mit seiner Schlafmütze.Allein, wie man, nachdem die antiken Meisterwerke wenigstensin Kupferstichen Jedem zugänglich geworden sind und Kunst-kritiker wie Winkelmann, Lessing, Göthe u. A. gelebt haben, nochimmer an Kreuzigungen, Grablegungen Christi, Abnahmen vomKreuze, sogenannten pieta's und dergleichen widerlichen Dar-stellungen Geschmack finden kann, ist uns unbegreiflich.Diese Unbegreiflichkeit mag nun gewissen großen Kunstkennernund kleinen Kunstblättern als Bornirtheit oder noch Schlimmereserscheinen, allein wir erwarten mit Resignation unser Schicksalund hoffen, daß mit der Zeit äußere Einflüsse die Kunst vondiesen Abwegen bringen werden. Es hat den Anschein, daß eineZeit nahe ist, wo man die Wahrheit des Christenthums nicht
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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