104Mit der Morgenröthe der neuen Zeit stiegen neue, glän-zende Sterne am Himmel empor, welche neben der Sonne desChristenthums leuchteten, und sie wohl theilweise überstrahlten.Die christliche Kunst und das Christenthum im Allgemeinen ver-loren ihre eigenthümliche und absolute Stellung, weil sich fremdePrincipien neben ihnen erhoben, und ein neues Gesetzbuch vieleder alten Institutionen verwarf. Wenn man dies zugiebt (undzugegeben muß es werden, im Fall man nicht alle historischenErscheinungen ableugnen und das Auge invita Minerva mitultramontanem Nebel oder mystisch=poetischem Dufte umhüllt),so wird man unsern Unwillen und Spott über alle jene zahl-losen Versuche und Bestrebungen par force: verschwommeneNachbilder des Christenthums zu erzeugen, erklärlich finden.Der Strom des Geistes fließt ewig fort, und das Prome-theische Feuer glüht in jugendlicher Kraft; warum dem altenKronos, der seine Kinder Jahrhunderte lang verschlang, indemer sie mit dem Gifte der Entsagung tödtete, noch immer neueOpfer bringen wollen? Natur und Menschengeist leben undtreiben ewig neue und schöne Blüthen; an sie allein haltet euch,Künstler, und werft die Ketten der Beschränkung hinweg. DieKunst soll nur das Ewigschöne fixiren und über dem Vergäng-lichen stehenWas es Wahres und Unvergängliches im Christenthumegibt, wird stets zur bildlichen Darstellung sich eignen, und vondenkenden Künstlern in neuer Auffassung gewählt werden. DasHaupt eines Erlösers von den Banden der Sünde und Knecht-schaft, einesWesens, dem man innige Gemeinschaft mit demSchöpfer zuschreibt, welches als Vermittler zwischen dem Höch-sten und dem beengten Menschengeiste gedacht wird — muß im-mer, auch abgesehen von der geschichtlichen Wahrheit, als ein
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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