Druckschrift 
Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
Entstehung
Seite
53
Einzelbild herunterladen
 

53lästerliche Versichern, daß er seine Persönlichkeit noch nicht aufge-geben hat, und sie ungerechten Anklagen gegenüber zu vertheidigen-Willens ist. Das stille, egoistische Brüten der Freunde und desWeibes ist gleichfalls mit tiefer Wahrheit und charakteristischerVerschiedenheit dargestellt. Decoration und Färbung, besondersdes Lufttons, sind etwas kahl und schwer, und der Eclat desBildes würde bedeutend vermehrt worden sein, wenn Beleuchtungund Helldunkel der Vorstellung mehr angepaßt wären. Auchkönnten wir einige technische Nachlässigkeiten rügen, z. B. dieBehandlung des Bartes von Hiob, und die falsche perspectivein der Zeichnung der Pallasttrümmer, allein wir legen aufKleinigkeiten wenig Werth. Der Faltenwurf ist grandiös be-handelt, und die Contouren sind abgerundet und sicher.Von älteren Bildern. Hübner's erwähnen wir an dieserStelle noch denAbschied der Ruth undSimson. Daserstere Bild erschien 1830, und ist jetzt Eigenthum des Kron-prinzen von Preußen. In dieser Darstellung, die höchst vollendetim Technischen ist, streift das Sentimentale und Liebliche an dieGrenze des widrig Weichen und Kindischen. Nur in den reli-giösen Bildern Hübner's, von denen wir später sprechen werden,ist diese Weichheit übertroffen, aber hier entschuldigte das Motivtheilweise. Das Sujet ist aus dem 1. Capitel des BuchesRuth entnommen und stellt die Abschiedsscene der alten MutterNaemi von ihren Schwiegertöchtern dar. Weinend und abgewandtentfernt sich die jüngere Schnur, während Ruth sich nicht vonder Mutter losreißen kann und die Hände auf die Schulterder wehmüthigen und tiefgerührten Frau legt. In dieser Stellungglaubt man die schönen Worte der Bibel aus dem Bilde herauszu vernehmen.Rede mir nicht drein, daß ich dich verlassensollte und von dir umkehren. Wo du hingehst, da will ich auch