46Nebelschleier scheint die verschiedenen Gruppen zu bedecken. Alleindiese Eigenthümlichkeit nähert die Vorstellung unserm Verständniund vermittelt sehr glücklich den Uebergang aus der alten in dieneue Geschichte. Der Untergang eines Volkes sollte geschildert,aber dieser Untergang durfte nur als theilweise vollendet undquasi fortdauernd dargestellt werden, da das Volk noch heute indemselben Zustande lebt, und ewigen Tod oder völlige Regene-ration erwartet. — Die Gruppirung ist tief durchdacht und mitstaunenswerther Einsicht sind die Figuren vertheilt. In derMitte sitzt der Prophet Jeremias, Weltverachtung und zugleichMenschenliebe, Trotz und Klage im Auge, und mit stolzer, abergebrochener Gestalt. Zu seiner Rechten erblickt man einen Ster-benden, an dessen Körper der Maler seine Correctheit deranatomischen Zeichnung bewieß, so wie die Kraft der kühnstenCharakteristik aus dem schönen Kopfe einer verzweiflenden Mutterhervorleuchtet. Das krampfhafte Zucken des Mundes, dastolle Glühen im Auge und die schmerzliche Abgespanntheit derZüge sind mit einer schauderhaften Wahrheit versinnlicht. Vonden Händen dieses Weibes wird ein sterbendes Kind gehalten,während der Leichnam eines zweiten Kindes am Boden liegt.Fast zu viel des Grausigen ist hier gehäuft, und nur die Natur-wahrheit der Auffassung und die technische Vollendung könnenden ungewöhnlichen Nervenreitz des Zuschauers mildern. SanfteTrauer erwecken die beiden Gestalten einer sitzenden Matroneund eines blühenden Mädchens, wogegen uns herbe Wehmuthbei Betrachtung der kraftlosen apathischen Gestalt des Mannesergreift, der von seinen Kindern, einem holden, sanften Mädchenund einem Knaben fortgetragen wird. In jugendlicher Meta-morphose spiegeln die Züge dieses Knaben den Ausdruck derGefühle des Propheten ab, auch in ihnen ist außer dem Jammer
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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