45Jeremias wie ein Marionettenspiel zu einer SophokleischenTragödie.„Die gefangenen Juden in Babylon“ sind in Lebensgrößeauf einer Tafel in halbrundem Format dargestellt. In derMitte des Bildes gruppirt sich unter einer Palme oder baby-lonischen Weide eine jüdische Familie, die aus fünf Personenbesteht. Resignation und energischer Trotz sprechen aus denZügen eines hohen Greises, dessen Hand die Harfe entfallen ist,und das Antlitz zweier Frauen verdunkeln unheilbarer Schmerzund bittre Wehmuth. Die eine hält ein liebliches Kind imArme, die zweite hat ihr Haupt in die Hand gestützt. Linksruht ein junges Mädchen mit dem Kopfe auf dem Knie desMannes. Die Decoration im Hintergrunde bilden der FlußEuphrat, und das stolze Babylon. Klarer Goldton der Farbe,kraftvolle Auffassung und großartige Composition vereinen sichmit der studirtesten Charakteristik, den Eindruck auf den Zuschauerins Unglaubliche zu steigern.Die Conception des vielbesprochenen „Jeremias“ ist jedochnoch energischer und entwickelter und die technische Ausführungstrenger. Waren in den gefangenen Juden noch hin und wiederlyrische Anklänge bemerkbar, so erhebt sich der Künstler in diesemBilde zu grandioser tragischer Erhabenheit, und das Streben,den Typus des jüdischen Charakters, wie er in Geschichte undGegenwart sich als Reflex nordischer Anschauungen kund gibttreu wiederzugeben, ließ ihn auf die Vortheile einer glänzendenFarbengebung und selbst vielleicht auf physische und antiquarischeTreue verzichten. Das Bild hat nach unsrer Ansicht, trotz deshellen, glühenden Lufttons, der Architektur der Stadttrümmerund der fremdartigen Gewandung keineswegs den orienta-lischen Charakter festgehalten, und ein nordischer, melancholischer
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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