39benden Seitenstücken fehlt. Die ernsten, traurigen Königsge-stalten tragen zernichtende Vorwürfe für die Jetztwelt in ih-ren kraftvollen, hehren Zügen; es sind Ahnenbilder berühmterVorfahren, die zürnend von der Wand der Gallerie schauen,in welcher die krüppelhaften Nachkommen sich entnervendenBacchanalien hingeben. Dieses Königspaar in seiner heiligenWürde ist nach Rußland gekommen; Schade drum, es war einschöner deutscher Fürstenspiegel, der den Neugierigen ihre Zügemit unangenehmer Wahrheit zeigte. Aber in Rußland wird erwohl noch viele Jahrhunderte mit schwarzem Flor verhängtbleiben, und die Knutenschwinger bemerken nicht, daß den Ma-jestäten die blanken, goldnen Kronen fehlen. Es scheint uns,als wenn das Königspaar Abschied von der Welt nähme, undals bedeute der Sarg der schönen Tochter, daß ihm das Liebsteschon vorausgegangen. Man kann diesem Bilde übrigens einebeliebige Deutung geben, und vielleicht stimmt man der unsernnicht bei; zur Vorsorge wollen wir deshalb noch eine zweitemittheilen. — In unserm Jahrhundert der Entwickelung tretenbesonders zwei Gegensätze deutlich hervor, wie es vielleicht inkeiner frühern Geschichtsepoche der Fall war. Neben der her-besten analytischen Philosophie lebt die glühendste Gefühlspoesie;neben dem crassen Spotte das edelste Mitleiden, neben unerbitt-licher Strenge und dem heftigsten Streben nach Erforschungder Wahrheit zugleich eine Trauer über den Tod so vielerVorurtheile, die aus Gewohnheit erträglich und zuweilen so-gar lieb geworden sind. Es bedarf noch fast einer neuen Ge-neration, deren Glieder nicht durch das Prokrustesbette der Ge-wohnheit und des verjährten Unsinns verstümmelt und ver-krümmt sind, um die Emancipation der nackten Wahrheitpraktisch zu erlangen. Jetzt noch z. B. schlägt man das Kind
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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