38und sie als sinnlich glühendes, gotteslästerliches Mädchen dar-zustellen! In dieser Umgebung durften die Züge der Un-glücklichen nur den Schmerz der Vernichtung entfalten, und soglaubt man auch bei ihrem Anblicke das Hinwelken einer sturm-geknickten Blume, die unvermeidliche Auflösung einer schönenSeele zu gewahren. Der Künstler gab in diesem Bilde nichtblos eine abgerissene Scene, es gelang ihm, ein vollständigesGedicht darzustellen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftder armen Lenore sind in organischem Zusammenhange aus-geführt.Großartiger und weltbedeutender in Conception und Ausfüh-rung als Lenore, ist das „trauernde Königspaar— Untereiner Halle in ernstem gothischen Style sitzt der alte, graueKönig, mit starrem Blicke vor sich hinsehend. Mit vieler Ein-sicht sind die Farben seiner Kleidung gewählt, um sie der Si-tuation zu accommodiren: der König trägt einen weißen Mantelvon Wollenstoff, dessen Faltenwurf in grandioser Manier er-scheint; die Farbe seines Unterkleides ist violett, und corre-spondirend hiermit das Gewand der Königin braun. Auch siesenkt den Blick nieder und stützt ihr Haupt mit der rechtenHand, während die linke auf dem Arme des Königs liegt. Ingelungener Verkürzung steht der Sarg der schönen Tochter seit-wärts. Die Aussicht durch ein Bogenfenster zeigt das Meerund den Abendhimmel. In diesem Bilde ist die Kunst der Be-leuchtung und des Helldunkels von der höchsten Vollendung.Die königlichen Gestalten sind über Lebensgröße, und ra-gen wie Geister der Abgeschiedenen fremdartig in unsre, deminnern Wesen nach republikanische Gegenwart hinein. Das Be-wußtsein der Majestät ergreift den Zuschauer mit Allgewalt,und zwar um so wirkungsvoller, als es jenen Herden an le-
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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