37einherging. So kann man jetzt oft den Secretär mit dem Mi-nister verwechseln, oder gar den Ceremonienmeister mit derMajestät, wenn beide nicht den innern Menschen vom Tages-lichte bescheinen lassen. Das sind arge Mißbräuche, und dabeiso lächerlich, daß wir gern zu unserm Thema zurückkehren.Der Moment der Darstellung in Lessing's Lenore istdie Rückkehr mittelalterlicher Krieger. Im Hintergrunde sindThürme und Thore einer alten Stadt sichtbar; etwas nähersieht man die Schar der Reisigen ziehen, deren letzte Reiterim Vordergrunde erscheinen. Es sind kräftige, herrliche Ge-stalten, mit markirten Gesichtern, deren Ausdruck fern vonaller Einförmigkeit, bald ernst, bald jovial und liederlich ist.In der Mitte des Bildes, neben den Kriegern, steht Lenoremit ihrer alten Mutter, jugendlich schlank und süß, mit lieb-lichem Schmelz in den Zügen, aber schmerzensbleich. — Auchin diesem Bilde hat der Künstler eine effectreiche Antitheseangewandt, und die Vorschrift des Dichters verlassen.Auf der andern Seite des Bildes, Lenoren gegenüber, istnämlich ein glückliches Paar dargestellt, das, an der blühendenWeinlaube eines Hauſes ſtehend, zuſammen koſt und ſich desWiedersehens freut. Der Krieger hält sein Roß am Zügel, unddas lebensfrische Mädchen steht traulich an seiner Seite. Sieist so glücklich, daß ein unverkennbarer Zug von Wehmuthund Mitleiden über das Unglück Lenorens in ihrem Auge zulesen ist. In dergleichen charakteristischen Zügen ist Lessingunübertrefflich, und sie tragen viel zum Effect seiner Bilder bei.Er ist ein geistreicher Seelenmaler, der den Menschen undseine Leidenschaften gründlich kennt. Wie geschickt vermied erin diesem Bilde, nachdem er die Sage einmal verlassen, denFehler, in der Charakterzeichnung Lenorens treu zu bleiben
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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