36„Lenore“ hat das Motiv aus Bürger's Ballade ge-nommen, aber Detail und Decorationen sind verändert. DieScene ist ins Mittelalter zurück versetzt, damit der Künstlerder unmalerischen Gewandung nach der Mode des siebenjähri-gen Krieges ausweichen konnte.Wir können bei dieser Gelegenheit nicht umhin, eine Be-merkung in Bezug auf den unbedeutenden Einfluß der Kunstauf das Leben zu machen. Welcher künstlerisch Gebildete istnicht überzeugt, daß die heutige Kleidung der Männer ge-schmacklos, unbequem, abscheulich und affenmäßig ist? Im vo-rigen Jahrhunderte konnte dies weniger auffallen, da die bil-denden Künste selbst damals unter der Geißel der Mode seufz-ten, aber in unsrer Zeit sucht die Kunst mit Recht die schö-nen Formen hervor, und die Schneider kümmern sich so wenigum sie, als die Supranaturalisten um die Philosophie derHeiden. Wie lange sollen wir noch als unmalerische Wesenals schwarze häßliche Fledermäuse in Frack und weiten Hosenumherlaufen? Wäre es nicht zweckdienlich, wenn die vorneh-men Herren Kleidermacher der Residenzen ein ästhetisches Exa-men und einen Kunsteursus halten müßten, damit sie aufhörten,uns zu verbestialisiren? Man sagt zwar, nur der innere Menschgilt, und nicht der äußere, aber die Anzahl der innern werth-vollen Menschen ist so geringe, und die der äußern so großAuch würde eine geschmackvollere äußere Erscheinung manchergesunkenen Potenz wieder auf die Beine helfen; z. B. werkann heutzutage einen Landjunker von seinem reichen Pächterunterscheiden, wenn sie sich beide in der Hauptstadt auf derStraße begegnen? Anders würde es sein, wenn den Land-junker ein weicher Sammetmantel umschlösse, und sein Haupt einFederbarett schmückte, dagegen der Pächter in einem Lederwams
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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