35Bild die individuelle melancholisch=romantische Stimmung desMalers sowol, als der Zeit. Auf hohem Felsengipfel sitztder männlich schöne Räuber, vom scharfen Strahl der Sonnebeschienen. Kampf und harte Arbeit, und vergebenes Ringender edelsten Kraft mit rohen Elementen sind in seiner Gestaltund Miene ausgedrückt. Das ist der Kampf unsrer unglückli-chen Zeit mit dem Vorurtheil, dem felsenharten, trostlosenVorurtheil, das durch die wilden, dunklen Schluchten undSteinmassen versinnlicht wird. — Der Räuber hat den Kopfin die Hand gestützt, und in seinem Auge ist der Gram umein verlornes Leben zu lesen. Kaum spiegelt sich der schwacheStrahl der Hoffnung auf der Pupille seines finstern Auges ab,und doch ist die Hoffnung, das neue Leben, die kommendeZeit auf dem Bilde dargestellt, und sogar in zwiefacher Ver-körperung. Einmal in dem wunderlieblichen schlafenden Kinde,das vom Arme des Vaters gehalten, an seiner Seite zart undschmiegsam niederhängt. Kann man ein schöneres Bild der rei-nen, vorurtheilsfreien Zukunft sehen, deren Auge noch vomSchlafe geschlossen ist? Die Züge des Knaben sind ernst unddoch svelte, trotzig und doch lieblich; lange Haare umschattensein Gesicht, und wenn diese Augen sich öffnen, so werden siegroß und dunkel und feurig sein, und mit Wohlgefallen dieschöne ausgebreitete Landschaft erblicken. Diese bildet den zwei-ten Gegensatz zu dem unglücklichen Räuber und dem grausigenVorgrunde. Man kann nichts Freundlicheres sehen, als dieseheitern, strahlenden Gefilde, die von fernen Bergen begrenztund von einem Silberstrome durchflossen werden.Dies Gemälde ist abgeschlossen und vollständig, ein wah-res Lebensbild voll Mark und Blut, und von der Sonne derZeit beschienen.
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Die Düsseldorfer Malerschule und ihre Leistungen seit der Errichtung des Kunstvereines im Jahre 1829 : Ein Beitrag zur modernen Kunstgeschichte
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