Geruch und Geschmack der Verbrecher und Normalen. 369
Der Gebrauch des Tabaks, der, als Priem genommen,die Nervenenden direkt trifft und überdies chemisch wirkt,trägt zwar etwas zur Abstumpfung des Geschmackes — wiedes Geruches — bei, ist jedoch nicht die alleinige Ursacbederselben, da sie auch bei Verbrecherinnen vorkommt, die nurwenig Gebrauch vom Tabak machen.
Nach Venturi (Studio sul tabacco nei.pagsi e nei criminali)Avaren dem Tabaksgenusse ergeben:
von 356 normalen Männern. . . . 14,3 %
., 332 „ Frauen..... 1,5 %
., 310 irren Männern....... 5,8 %
„ 152 ., Frauen......... 5,2 %
„ 279 Verbrechern.......... 45,8 °/o
., 201 Verbrecherinnen...... 15,9%
Mörder...................... 48,0 %
Diebe ....................... 43,0 %
Wichtig ist dabei die Beobachtung, dass normale Männernur in 14,1 % vor dem 30. Lebensjahre damit beginnen, Ver-brecher hingegen in 22 %, fast alle aber schon vor ibremEintritt in das Gefängniss. Bestätigung findet das durch denvon Marämbat und ebenso von Marro geführten Nachweisdes Tabakrauchens bei Kindern.
Marämbat ist, zufolge seiner Nachforschungen in denStrafanstalten für Kinder resp. jugendliche Verbrecher, zu derAnsicht gelangt, dass die Leidenschaft für den Tabak dieerste ist, die im Herzen eines verbrecherischen Kindes Wurzelfasst und andere böse Dinge nach sich zieht, als unnütze Aus-gaben, Faulheit, Unordnung, Trunksucht. Von 603 Kindernim Alter von 8 bis 15 Jahren hatten 51 % die Gewohnheitdes' Tabakgenusses vor ihrer Internirung gehabt; unter 139jungen Leuten zwischen 16 und 20 Jahren gab es 84 %Baucher; von 850 über 20 Jahre alten hatten 663, d. i. 78 %,schon vor dem 20. Jahre sich daran gewöhnt; nur 17 % hattenniemals geraucht. Nocb grösser ist die Zahl der Raucher unterden wegen Trunksucht Bestraften. (Revue scientifique.)
Marro fand unter seinen Gefangenen 7,3 % solcher, dieschon vor dem 10. Lebensjahre das Rauchen angefangen,
LoMBROSO, Der Verbrecher. II. 24