Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
235
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Siebentes Kapitel. Halbverrückte Verbrecher. 235

reden sich nach und nach ein und empfinden, als sei eswirklich so, wie sie sagen. Sie sind so sehr überzeugt undeingenommen von ihren Lügen, dass ihnen dieselben vielleichtmehr einleuchten, als wenn es anders wäre infolge derExaltation, welche auf Suggestionen auch in allen Stadien derHypnose erfolgt. Daraus erkennen wir andererseits die Ge-fahren und Nachtheile der hypnotischen Suggestion, dieabgesehen von der direkten Gefahr, dass mit ihrer Hülfe Ver-brechen straflos begangen werden können durch Erzeugungeiner momentanen Hysterie bei einem gesunden Individuumdasselbe zeitweilig zu einem moralisch Irren umwandeln kann,der er möglicher Weise für immer bleibt. Wenn man behauptet,der Hypnotismus sei keine Krankheit, weil er bei scheinbarGesunden und plötzlich sich einstellen kann, so ist das nichtanders, als wenn man sagt, der Branntweinrausch, dieMorphium- und Aetherintoxikation seien keine Krankheitund darüber ist ja wohl kein Wort zu verlieren.

Siebentes Kapitel.Halbverrückte Verbrecher.

(Delinquenti mattoidei.)

Nicht das häufige Vorkommen, sondern der eigentümlicheCharakter der Krankheit und der Strafthaten, zu denen die-selbe Veranlassung giebt, verdient eine abgesonderte Betrach-tung der Abart von Geisteskranken, die ich mattoide nenne,und deren Zustand einerseits dem Schwachsinn, andererseitsder Verrücktheit am nächsten steht. Das Auffälligste ist dabeifolgendes:

1. Das weibliche Geschlecht hat nur wenige Exemplaredavon aufzuweisen. In Frankreich ist es die Michel, in Italienhabe ich seit 20 Jahren nur eine derartige Frau dafür er-kannt.