Zweites Kapitel. Selbstmord in Leidenschaft und Irrsinn. 27
26. Der Zustand der Wildheit, welcher sofortzum Messer greifen lässt und nach Rache schnaubt, dem diegeringste Beleidigung seiner Ehre als was Ungeheures er-scheint, ist endlich dasjenige, was die Verbrechen aus Leiden-schaft vervielfacht. Das sieht man an Sardinien und Korsika,wo die leichtesten Streitigkeiten, eine einfache Eheverweigerung,sogar die Anzeige eines Diebstahls zu Flinten- und Pistolen-schüssen führen, die wiederum an ihren Urhebern und derenVerwandten, Erauen und waffenlose Geistliche nicht ausge-schlossen, gerächt werden müssen. Die Blutrache nimmtdemgemäss den Charakter der Verbrechen aus Leidenschaftan, da die Morde stets am hellen, lichten Tage, ohne Hinter-list, ohne Helfershelfer, ohne gedungene Mörder, niemals mitGift, niemals aus . Habgier geschehen, oft durch Individuen,die bis dahin ein unbescholtenes Leben führten. Daherkommen auf 100 Verbrechen 77 gegen das Leben (Biboquel,Crimes commis dans la Corse, Paris 1842).
Galicchio war ein Muster von Ehrbarkeit. VonLuisens Mutter dazu aufgefordert, willigte er in die Ver-lobung ein, aber, Weh ihnen, wenn sie ihn täuschten. Gleich-wohl achtete die Mutter die Drohung nicht und verlobte dieTochter wenige Monate später mit einem' Andern. G. raubteLetztere, hielt sie aber 14 Tage lang im Busch wie eineSchwester. Wegen Baubes angeklagt, wurde er Bandit undtödtete seinen Nebenbuhler.
Zweites Kapitel.
Selbstmord in Leidenschaft und Irrsinn.
1. Im vorigen Kapitel war öfter die Bede vom Selbst-mord. Es kam daher, dass die Verbrechen aus Leidenschaftmit diesem nahestehende Beziehungen haben. Wenn es nochgestattet wäre, wie es in Bussland, Deutschland, England ge-schieht, den Selbstmord vom theologischen, dem Volksbewusst-