Sechstes Kapitel. Der hysterische Verbrecher. 209
darf, wenngleich, äussere Degenerationszeichen häufig fehlen, inAnbetracht des speziellen obwohl nicht ausschliesslichen Ein-flusses der Intoxikation sowohl, als auch der grösseren Heil-barkeit bei vollständiger Entziehung alkoholhaltiger Getränke.Man begreift nun auch, warum der Trunksüchtige sohäufig Epileptische zeugt, 1 und warum der Epileptische durchkleine Mengen Alkohol zu den wildesten Strafthaten sichhinreissen lassen kann. Die Epilepsie verhundertfacht sicheben in ihm, wenn man so sagen darf. Andererseits begreiftman auch, warum bei Individuen, welche trotz Alkohol-missbrauchs ohne epileptischen Anfall blieben, sich wie beiEpileptischen Delirium oder verbrecherische Neigungen unterder Form einer akuten Krankheit, eines Trauma oder einerheftigen Gemüthsbeweguag entwickeln können." Letztere ver-schärfen eben die Reizung der Hirnrinde und bringen es zuder schlimmeren Aeusserung, die ihrerseits ein Aequivalent fürdie Krampfanfälle ist.
Sechstes Kapitel.Der hysterische Verbrecher.
Nicht um seiner Anzahl willen, sondern wegen der Eigen-thünilichkeit seitens des Geschlechtes, der Strafthaten, der
1 Bourneville fand unter 350 Epileptischen trunksüchtige Ver-wandte in 51 % und zwar mütterlicherseits 2,8 % bei der Mutter, 5,7 °/obeim Grossvater, 0,8 % bei der Grossmutter; väterlicherseits 37,7 % beidem Vater, 6,5 % beim Grossvater, 1,6 % bei der Grossmutter.
. Lavoreau sah unter 410 von Trunksüchtigen abstammenden Kindern100 in Krämpfen sterben und 83 epileptisch werden. Von 95 Epileptischenhatten 12 trunksüchtige Eltern (Voisis). — Quatreprages hat die Beob-achtung gemacht, dass ein Mann, der sich nur einmal und das an seinemHochzeitstage betrank, einen epileptischen Knaben zeugte. (DesforgesDe Välcoolisme dans ses rapports avec Vepilepsie. .Paris 1887.)
Lombhoso, Der Verbrecher. II. 14