364 Nachträge.
VIII.Geruch und Geschmack der Verbrecher und Normalen.
(Von Dr. S. OttOlesghi.)
1. Das Riechvermögen des Naturmenschen, -ebenso wievieler Thiere, ist bekanntermaassen stärker, als das des civilisirtenMenschen. Demnach müsste dasselbe, wenn man an der Vor-aussetzung der atavistischen Natur des geborenen Verbrechersund des Epileptischen festhält, bei den Letzteren gleichfallserhöht sein, wie das mit dem Sehvermögen der Fall istDem ist aber nicht so, wie aus den nachstehenden Versuchendes Verfassers hervorgeht.
Frühere Untersuchungen des Gegenstandes sind die vonValentin", der eine Riechskala aus Moschus bis hinab zumAmmoniak herstellte, das er mit einer kleinen Menge gas-förmigen Riechstoffes in einem bekannten Volumen atmosphä-rischer Luft versetzte; ferner von Fischer und Penzold, diesich ebenso des Merkaptans bedienten; Ventüri, der die Ent-fernung als Maassstab bei seinen Irren benutzte, in welcherder Riechstoff zuerst wahrgenommen wurde; endlich Nicholsund Batlet, welche ein und denselben Riechstoff, nur inverschiedener Verdünnung auf Fläschchen vertheilten, und dieAnwendung derselben dem zu Untersuchenden je nach seinerEmpfindung überliessen, — eine Methode, die über die grössereund geringere Riechfähigkeit des Mannes oder des Weibesentscheiden sollte.
0. hat sich eine Art von Osmometer dadurch konstruirt,dass er Nelkenöl in 12 verschiedengradigen Lösungen, zwischenVsoooo und 1 i'\oo, auf Flaschen vertheilte, die er nur einmaldes Tages in Gebrauch zog, und zwar so, dass er den Kon-zentrationsgrad der Lösung, bei welcher die einfache Riech-empfindung, und dann den Grad, bei welchem die spezifischeEmpfindung eintrat, wobei er stets mit dem ersten Grade(Vsoooo) anfangen Hess, bestimmte.
In beiden Fällen wurde die Methode von Nichols-Bayleybefolgt. Die Ergebnisse der beiden Versuchsweisen stimmtenzwar überein, jedoch waren die der zweiten deutlicher und