Finger- und Gestensprache der Gauner. 351
spräche besitzt verschiedene Ausdrücke zur Bezeichnung diesesVerfahrens, z. B. fari lu rnastru di capella, sunari lucimmalu (den Kapellmeister machen, Klavier spielen) inAnspielung auf die Geschwindigkeit der Handbewegungen desMusiklehrers beim Klavierspiel. Darauf bezieht sich auch dieGeste, wenn man mit der rechten Hand auf den linken Ober-arm trommelt, wie es ähnlich beim Violinspielen geschieht,woher dann auch die Redensart, Violinspielen für heimlichwegstehlen, rührt. Ausserhalb Siziliens wird die Fingerbewe-gung von dem Wort begleitet; in Sizilien ist bloss die Gestegebräuchlich. Wird mit der rechten Hohlhand auf die linkeFaust geschlagen, wobei der Daumen und Zeigefinger derletzteren nach oben sehen, so ist das eine ungeduldige, ver-ächtliche und unanständige Geste.
Werden Daumen und Zeigefinger ringförmig mit der nachunten sehenden Hohlhand geschlossen, so bedeutet das: Ichlache über dich; da bedarf es einen anderen Kerls,um mir zu schaden.
Bilden die zwei ersten sämtlicher Finger und die beidenHände zwei Halbkreise einem Menschen gegenüber, der es müdeist, noch etwas zu hören oder zu ertragen, so soll das heissen:Ihr habt mir die Treue gebrochen, aber die Geste istebenso unanständig wie der Sinn.
Dieselbe Geste, nur dass man die beiden Halbkreise soweit wie möglich dehnt, ist eine Drohung gegen den Mannund auch gegen Frauen und bedeutet dasselbe wie die Redens-art: Vi lu fazza tantu! (etwa: ich werde es euch zeigen!).
„Nein!" drücken die anständigeren Sizilier so aus, dasssie mit dem Fingerrücken ihr Kinn von innen nach aussenwischen, dabei die Augen weit öffnen, sie nach oben, ohnesie zu fixiren, richten und zugleich die geschlossenen Lippenvorstrecken und ein wenig verziehen. Der Uebelthäter da-gegen, der seiner Gewohnheit gemäss unbeweglich bleibt,streicht sich das Kinn oder den Bart mit einer Hand undblickt dabei nach oben. Das ist sein Nein.
Es ist bekannt, dass man bei jeder Ermüdung in Schweissgeräth, daher der sprichwörtliche Schweiss vor der Stirn.