320 Dritter Theil. Der Gelegenheitsverbreclier.
Wenn wir bedenken, dass im Charakter eines Individuumseine schichtenweise Ueberlagerung je nach seinen Bildungs-perioden zu erkennen ist, so dürfen wir wohl auf die Analogiemit der Erdschichtung hinweisen.
Wenn die Schichten durch Unterhöhlung durchbrochenwerden und sämtliche Theile in die Tiefe versinken, so giebtes keine regelmässige Schichtung mehr, sondern ein buntesDurcheinander. Ebenso ist es mit dem Charakter, alte undneue Bildungsschichten sind durcheinander gewürfelt und einElement mit dem anderen nicht organisch verbunden, sondernim zufälligen Nebeneinander."
Wir werden später eine Familie kennen lernen, die fürsich schon eine ganze Bande bildete (zehn Brüder undeine Schwester), nur eine kleine Schwester empörte sich gegendas Verbrechen, wurde aber von ihren Eltern genöthigt, denKopf eines ihrer Opfer zu tragen, und die Folge davon war,dass sie bald darauf als die wildeste der Schar die gefangenenReisenden zu martern suchte.
Die Weiber der Mörder, sagt Vidocq, sind weit gefähr-licher als ihre Männer; sie reizen ihre Kinder dadurch zumBösen, dass sie ihnen bei jedem in Familie begangenen Mordeein Fest geben.
Fast ganz ebenso wirkt die Verlassenheit bei den Waisen,Findlingen und landstreichenden Knaben, für welche die Ge-sellschaft (wenü sie es noch thut) in einer Weise sorgt, dieman geradezu Verbrecher er ziehung nennen darf, da dieBetreffenden massenhaft in Instituten untergebracht werden,wo die Lasterhaften überwiegen. Daher treffen wir auf eineverhältnissmässig grosse Zahl von Findlingen und Waisen-unter den. Verbrechern.
Ein weiteres Uebel bringen die Gefängnisse.
Was soll ein armer Teufel thun, der einmal in einemZornanfall Jemand geschlagen, oder einer, der einmal vonHause entlaufen ist und ins Gefängniss gebracht wird, wo erinmitten einer Menge Anderer, die ihn als Mitbruder begrüssenund ihn. in ihre Liste eintragen, alle Scham verliert, : — wenner dann, was noch schlimmer ist, unseren Gesetzen zufolge,