Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
315
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Zweites Kapitel. Kriminaloide. 315

gelitten hatte, zu einer gelinderen Strafe, auf Grund einerMania transitoria.

Im Gefängniss machte er sich über nichts Vorwürfe, alsdass er sich habe fangen lassen. Er erklärte die üeue nursimulirt zu haben. Gleichwohl hatte er sehr edle Handlungenverrichtet, nämlich seine magere Kost ein halbes Jahr langmit einem Kranken getheilt und mit eigener Lebensgefahrzwei Knaben aus dem Feuer gerettet und Brandwunden davongetragen.

Im Gefängniss philosophirte er folgendermaassen:"Worinwar meine Idee und Theorie irrthümlicher als andere? Manmuss die Dinge von einem höheren Gesichtspunkt aus be-trachten,, dann wird meine Trlee nicht so sonderbar erscheinen.Verbrechen ist ein Wort. Mein Gewissen ist ruhig. GrosseGeister haben Schlimmeres gethan, aber sie sind nicht aufhalbem Wege stehen geblieben und darum auch nicht ver-urtheilt worden. Ich verstand es nicht, vorwärts zu gehen."Ei- wollte von keinem anderen Unrecht wissen, als dass ernachgegeben, dass er sich angezeigt habe. Der Selbstmord,den er versuchte, gelang ihm nicht. Bei den Zwangsarbeitenbenahm er sich gut, und durch Arbeit und die Liebe desMädchens, das sich ihm widmete, rehabilitirte er sich.

Es liegt darin offenbar ein Eall von Gelegenheitsverbrechenvor, veranlasst durch üSToth und andere Umstände bei einemnicht ganz verbrecherischen Charakter, der, wenn er auch nichtbereut, doch auch wieder von dem Ergebniss des Verbrechenskeinen Gebrauch macht, und was wohl zu beachten vonEpilepsie stark beeinflusst ist.

R. hatte nämlich öfter Anfälle von Amnesie, er verlormehrmals das Bewusstsein, und dieser Zustand hatte mitkurzen Unterbrechungen bis zum. Eintritt der Katastrophegedauert. Oftmals fehlte ihm das Gedächtniss fürgewisse Dinge vollständig, und er vermochte ohne HülfeAnderer den Eaden nicht wiederzufinden.

Manchmal betrachtete er gewisse Ereignisse in seinemLeben als die Folge von anderen, die nur in seiner Vor-stellung existirten; manchmal wurde er von einer vorüber-