Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
314
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314 Dritter Theil. Der Gelegenheitsverbrecher.

Dostoyewski hat bezüglich dieses Gegenstandes keineTheorie aufgestellt. Er schildert aber (in Delüto e pena 1884)in trefflicber Weise einen Fall von Gelegenheitsverbrechenals eine Abart von angeborenem Verbrechen.

Roskolnikoff neigt zu Geistesstörung und ist, wie erselbst erkennt, rachsüchtig, neidisch, voll' Eitelkeit; besondereKennzeichen finden sich an ihm nicbt, während doch derhochblonde Lustmörder Svidrigailoff mit seinen tiefblauenAugen ihn fixirt und, noch ehe R. sich für schuldig erklärt,ihm auf den Kopf zusagt:Ich fühle es, du bist einermeinesgleichen!" Er war so arm gewesen, dass er seineStudien unterbrechen musste; seine Schwester, die er sehrliebte, entschloss sich zu einer Ehe ohne Liebe, um ihnunterstützen zu können. Da hörte er von einer Wuchererinsprechen und von einigen Freunden vorschlagen, man solle sietödten. Allmählich setzte sich der Gedanke bei ihm fest, erverschafft sich ein Alibi und eine Waffe und tödtet ungesehendie Frau. Nach geschehener That lässt es ihm aber keineRuhe, das geraubte Geld verbirgt er unter einem Stein undnimmt nichts davon. Er lässt sich mit einer Prostituirten ein, dieer liebt. Nun kehrt er öfter in die Strasse und Wohnung derGetödteten zurück. Er hat keine Gewissenbisse, aber es drängtihn sein Verbrechen zu bekennen, und doch empört er sichdagegen; aber endlich ergiebt er sich darin und legt, ohnedass man nach ihm sucht, vor einem gewandten Polizeimannein volles Geständniss ab. Er erklärte, bei dem Morde vondem Gedanken ausgegangen zu sein, Napoleon würde sichüber den Tod eines alten Mannes oder einer alten Frau nichtSorge gemacht haben, wenn es galt, ein grosses Ziel zuerreichen.

Er (R.) habe in einer Revue gelesen, die Menschen seienin gewöhnliche und ungewöhnliche zu unterscheiden; die ge-wöhnlichen haben die Gesetze zu befolgen, die ungewöhnlichendürfen sich über alles hinwegsetzen, um ihr Ziel zu erreichen.

Die Richter fanden Verstandeslücken bei ihm und ver-urtheilten ihn in Anbetracht des Umstandes, dass er das Geldnicht berührt und schon vor dem Verbrechen an Hypochondrie