Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
297
Einzelbild herunterladen
 

Zweites Kapitel. Kriminaloide. 297

ist, ist es auch noch so!" sagt er; aher was schlimmer ist,er behandelt sein Messer wie einen Freund.

M., 26 Jahre alt, hat im Streit seinen Bruder er-schlagen. Degenerationszeichen fehlen. Vater und Brudersind Trinker, er selbst trank bis zu sechs Liter täglich.

Sein Bruder hatte ihn bei Gelegenheit der Gütertrennunggereizt; nach dem. Morde war er in das Wirthshaus gegangenund hatte zu dem ihn verhaftenden Beamten gesagt, er wisse nicht,ob sein Bruder in den Himmel oder zur Hölle gegangen sei.

P. C. hat regelmässige Gesichtsbildung, nur die Backen-knochen stehen stark vor; seine Verwandten sind ehrliche Leute,aber Trinker. Die Empfindung ist etwas stumpf und einleichter Grad von Mancinismus vorhanden, ausserdem Schwindel-anfälle. Schädelkapazität 1549, Höhen-Breiten-Index 85.Moralischer Sinn wenig entwickelt. Er hatte einen Anderenverwundet um eines Frauenzimmers willen. Als ich ihn fragte,ob es ihm leid thue, wenn sein Opfer sterbe, antwortete er:Es giebt nur zu viele Leute in der Welt; wenn ich ihnumgebracht habe, habe ich ein gutes Werk verrichtet."

B., 44 Jahre alt, aus Pallanza, ist 1,70 m hoch undwiegt nach 15 Monaten Gefängniss 72 Kilo. Sein Haar istfast durchweg aschgrau; Blick frei; Gesichtsbildung normal.Schädelkapazität 1612, Index 84. Tastempfindung rechts 1 mm,links 1,5 mm, an der Zunge 1 mm, normal; elektrischer Stromwird bei 60, Schmerz bei 35 wahrgenommen, also in normalerWeise wie bei rechtschaffenen Leuten. Dagegen ist dieOrientirung (sensibilitä topografica) unsicher und irrthümlichum .1 cm. (Hier also eine Spur von Abstumpfung und vonDegeneration.) Gegen Witterungs-, magnetische und hypnotischeEinflüsse ist er unempfindlich. Farbensinn ist intakt. Patellar-reflexe sehr lebhaft. Sein einziger Sohn war Monorchis undsein Haar stellenweis gefleckt. Sein Vater starb im Alter von75 Jahren an Apoplexie, seine Mutter bei der Entbindung,ein Grossvater hatte Delirium tremens.

Von einem seiner Bekannten, der sich für einen Erbenvon T. ausgab, war er zur Hülfe gerufen und hatte nachts einenSchrank erbrochen, aus welchem Papiere im Werthe von mehr