296 Dritter Theil. Der Gelegenheitsverbrecher.
wenn sie es aber tkun, es sofort bereuen, und nicht wiederin den Fall kommen? Wie viele sind vom Geschick der-artig misshandelt worden, dass sie zu Kachegefühlen vonselbst oder durch Andere angeregt oder zum Verbrechen ver-leitet wurden und ihnen doch nicht Folge leisteten (vgl. Auer-mann, Salvador, G, die S., Gardier)? Sogar bei den hypnotisphenVersuchen sehen wir, dass die Beanlagten der Suggestion zueiner verbrecherischeil Handlung leicht und gern nachgeben,ja sogar nachher noch sich darüber freuen, während die wahr-haft Rechtschaffenen sich lange sträuben und auch noch unterdem Zwang der hypnotischen Zucht die eingebildeten Ver-brechen mit Widerstreben ausführen und sich vor dem Rück-fall zu hüten suchen. Sehen wir uns die angeführten Fällegenauer an, so finden wir doch schon Spuren einer laxerenMoral. So zeigt' sich die S. theilnahmlos ihrem Mitschuldigenund auch schon vorher theilnahmlos ihrem Opfer gegenüber;Papor... ist der Sohn eines Trinkers. Das sind allerdingsdie einzigen Beispiele, die ich nicht aus Büchern geschöpft,sondern direkt untersucht habe; man wird aber aus den nach-folgenden Fällen das Gesagte deutlich erkennen.
Die 40 J. alte Wäscherin B,. L. schlug aus berechtigterEifersucht eine andere Frau, die ihr die Liebe ihres Ehemannesin solchem Grade entzog, dass er sie misshandelte. Degenerations-zeichen, erbliche Belastung, Bescboltenheit fehlten gänzlich. Daich nun glaubte, sie sei durch die Verurtheilung (zu 4 WochenGefängniss) verbittert und sie deshalb bemitleidete, antwortetesie: „0 nein, das macht nichts aus. Hier ruhe ichmich kostenfrei aus!"
Der 45 Jahre alte A: hat voluminöse Stirnsinus undOhren, lockigen Bart, eine krumme Nase, ist submikrokephal(1445), gefühlsstumpf, linksseitig bezüglich der Sinnesorgane (4,1und 2,1), spricht die Gaunersprache, aber nur die Worte, dieauf das Messer Bezug haben. Dem Wein ist er nicht ergeben.Doch wurde er verurtheilt, weil er in der Trunkenheit einemKameraden mit der Flasche einen Schlag auf den Kopf ge-geben und einen Messerstich versetzt hatte. Er erzählt denVorgang mit der grössten Gleichgültigkeit. „Wenn er todt