Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
226
Einzelbild herunterladen
 

226 Zweiter Theil. Der irre Verbrecher.

dreieckigen Mund, die stark entwickelten Jochbeine und das,worauf es am meisten ankommt, die mikrokephale Stirnform,die sich in der engen, gedrückten Stirn und in dem Hervor-ragen des Orbitalwinkels vom Stirnbein zeigt.

Schon in den untersten Schulklassen ist sie der Henkerder kleinen Mädchen, ihrer Mitschülerinnen. Frühreif in Be-zug auf den Geschlechtstrieb, ist sie schon prostituirt (zwischen14 und 17 Jahren), fast ehe sie Jungfrau geworden.

Mit 14 Jahren in einem Magazin angestellt, beging sieHandlungen Aviderlichster Art, verhetzte und quälte alle ihreKameradinnen; kaum in Dienst getreten, bestiehlt sie ihrenHerrn und beschuldigt ihn des Ehebruches, zwei andereMädchen des Diebstahls, stiehlt und versteckt Kanten unterihrem Bett, lediglich um eine Kameradin zu verleumden, dieihr nie was Böses gethan hat. Sie wird deshalb entlassenund versucht,ihren neuen, dritten Herrn zu vergiften, der ihrnur Gutes erwiesen hat. So ist sie auf dem Gipfel derSchlechtigkeit angelangt, an dem Punkte, wo das Verbrechennicht mehr Verbrechen, sondern Wahnsinn und zwar derspezifische Wahnsinn der Hysterischen ist, Böses ohne Zielund Zweck zu thun; z. B. behaupten, nicht sehen zu können,die Züge der Hausglocken durchschneiden, thun, als ob Ge-spenster umgehen, das Zimmer mit eigenem Kothe ver-unreinigen und die Hauswirthin dessen beschuldigen, Speisenund Bilder entwenden und dann so dreist lügen, dass manzweifelhaft gemacht wird. Sie geht zu A., giebt vor, siesei die Schneiderin ihrer Schwestern, verlangt ein Kleid alsModell und sagt zu dem kleinen Mädchen, das es bringt:Gieb mir deine Kleider!" und entwendet sie auf diese Weise.Sie schliesst eine innige Freundschaft mit einem hübschen,etwas zweideutigen Frauenzimmer, Lodi, aber bald lässt ihr derNeid keine Huhe; um eine Dritte zu ärgern, wahrscheinlicheraber, um Jener eine Schlinge zu legen, wie sie es mit Anderengethan, um sie in falschen Verdacht zu bringen,- verschafft sieihr Schmucksachen; ihre gehässige Beschuldigung erweist sichspäter als grundlos.- Sie ergiebt sich einem alten Herrn,Coltelli, bestiehlt ihn und er entlässt sie, obgleich er sie (nach