Sechstes Kapitel. Der hysterische Verbrecher. 225
fehlt ihnen denn doch nur die Kraft, wie hei den Frauen ins-gemein es der Fall ist. Uebrigens . schreiten sie oft genug überdie Grenzen ihres Geschlechts hinaus und werden furchtbar undschlimmer als die Männer. Auch fehlt es nicht an solchen, diealle Arten von Verbrechen begangen haben und noch begehen:Körperverletzung, Raub, Giftmord, BrandstiftuDg, Meineid.Andere treiben Unzucht, Kinderraub, Diebstahl.
Eine gewisse "üb., ein sehr schönes Landmädchen, littan Hysteria major. Sie Hess sich von einem Menschen ver-führen, der sie misshandelte und hungern liess, darauf bestahlsie ihn mit Hülfe eines jungen Liebhabers und versetzte ihm,da sie nachts mit ihm allein war, während er schlief, Hiebemit einer Sicbel und hätte ihn beinahe getödtet. Zu ihrerVertheidigung erfand sie eine Geschichte von Streit und Noth-wehr und wurde daraufhin von den Richtern freigesprochen.
In Frankreich ist eine gewisse Zelia sehr bekannt ge-worden (Beieeee, Annäl. dliyg. 1853). Sie hatte viel Geist,verstand verschiedene Sprachen, war aber von kleinauf lügen-haft, schmutzig und lüstern. Unter den 'Banditen in Amerikabewies sie einen bewundernswerthen Muth. Mit dem Pistolin der Hand stürzte sie sich mitten unter die Messer derSpieler, sprang als Führerin der Bande über wahre Abgründevon Gräben, trotzte der Cholera und dem Erdbeben undschleppte ganze Scharen junger Leute mit sich, indem sieSöhne, Väter und Schwiegersöhne gleicherweise verführte.
Den wahrhaft klassischen Beweis liefert uns aber die Z.,eine Diebin, Prostituirte, Mörderin und Meineidige. Ihre Ge-schichte findet sich immer wieder unter den Leuten, die wirgeborene Verbrecher nennen, und für welche die Irrenärzteetwas uneigentlich den Ausdruck Moral Insanity gebrauchen.
Die Z. ist 20 Jahre alt. Sie ist die Tochter wenigsittenreiner Eltern — der Vater war Trinker und übelbeleu-mundet, die Mutter ein Findling, mit weinerlichem Wesen;die Schwester Kupplerin. Ihr Gesicht trägt die Erbmale desBösen, die zwar Anderen nicht auffällig erscheinen, die indesdem geborenen Verbrecher nie fehlen — das dichte dunkleHaar, die schwarzen Augen, den grossen, rohen, bisweilen
LoilBKOSO, Der Verbrecher. II. 15