Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
161
Einzelbild herunterladen
 

Viertes Kapitel. Psychologie. Unterschiede. 161

lebtet' Gegenstände erregt wird. Bei Anderen geschieht dasselbebeim Anblick gewisser Körpertheile, als der Hände, Augen,des Haares, des Mundes u. s. w. Ein sehr gebildeter Mannvon 34 Jahren, der aber an Krämpfen litt, hatte eine Vorliebefür die Augen der Frauen und glaubte die Nasenlöcher seiender Ort für die immissio penis. (Binet.) Als er eines Tageseinem Mädchen begegnete, dessen Augen dem Ideal entsprachen,für das er schwärmte, folgte er ibm sofort und hielt bei derFamilie in so zudringlicher Weise um sie an, dass man diePolizei zu Hülfe rufen rausste, um ihn zu entfernen. Einintelligenter, mit lebhafter Phantasie begabter Hände-Liebhaber,der Sohn nervöser Eltern, erwärmte sich geschlechtlich nur fürdie Hand der Damen; es verdross ihn, wenn sie einer altenFrau angehörte, oder wenn sie plump oder vom Handschuhbedeckt war. Auch Armbänder, in den Schaufenstern derJuweliere ausgestellte Ringe erregten seine Geschlechtslust.Von den Verehrern der Füsse und Fussbekleidung haben wirschon (Bd. I.) gesprochen. Die Liebhaber von Haaren begnügensich bisweilen damit dieselben zu bewundern, den jungenMädchen, die sie .tragen, zu folgen, das Haar heimlich zuküssen, oft aber schneiden sie es mit der Schere, die sie zudiesem Behufe bei sich führen, ab und nehmen es mit.

Binet, der sich mit der Sache gründlich beschäftigt hat,erklärt diese Erscheinungen von verliebtem Götzendienst alseine Steigerung der Vorliebe für die eine oder andere Eigen-schaft einer Person. Er sagt darüber:

Der Fetischdiener leistet dadurch, dass er den bevor-zugten Theil von dem Ganzen trennt, eine wahrhaft abstrakteArbeit. Zuerst haben wir einen Verehrer ehrbarer Gegen-stände, die er im Geiste, bei der Erinnerung an die Frau,,nicht getrennt von ihr betrachtet; dann die Liebhaber desHaares nicht nur einer bestimmten Person, sondern desblonden Haares im allgemeinen, das sie um seiner selbst willenso sehr lieben, dass sie es sammeln; endlich den höchsten Gradder Abstraktion, den vollständigen Fetischdienst, wobei dieVerehrung lediglich an dem materiellen Gegenstand anhaftet,ohne mehr an die Frau zu denken. Wie man beim religiösen

LoiIBROSO, Der Verbrecher. II. 11