160 Zweiter Theil. Der irre Verbrecher.
ziehe den Koitus, was mir unter anderen Umständen schwerwird und mich nicht befriedigt, oder gar nicht gelingt.
Da mir also viele Jahre lang die Schuhe die Haupt- unddas "Weib nur Nebensache waren, so hatte ich bis zum 25. Jahre(ich bin jetzt 26 alt) dem Laster der Masturbation mich er-geben" u. s. w. [Archiv, äi psichiatr. IX. fasc. III.)
Da wir gesehen haben, dass die Neigung zu Bosheit undGrausamkeit bei Epileptischen besonders hervortritt, nebenbeivon Schwindel begleitet ist und Intermissionen sich einstellen,so erregen die geschilderten Zustände den Verdacht auf Epi-lepsie um so mehr, als jede epileptische Erscheinung an Atavis-mus, an die Zeit erinnert, wo der Kannibalismus gewöhnlicherBrauch und die Hochzeit nichts als Nothzucht war, da Schlägeund Wunden zwischen den Nebenbuhlern fielen und selbstdas Weib trafen, wie es noch heut in der Thierwelt derFall ist.
8. Varianten. — Eine weniger grausaurne, aber nichtweniger seltsame Art in der Beihe der schmutzigen Verbrechenist die der perversen Geschlechtslust, die man refiektirtenennen könnte.
In Frankreich kennt man die Geschichte der MarianneLabarde, einer Hysterischen von anscheinend ehrbarem Wesen,welche die Kinder ihrer Herrschaft, einen Knaben von 11und ein Mädchen von 12 Jahren, verführte, nachts aufihrem Zimmer mit ihr nackt, unter Absingen obscöner Liederumherzuspringen, sich gegenseitig zu betasten und Bruder undSchwester zusammenkuppelte. Dabei blieb es nicht; es wurdennoch andere Mitschuldige geladen, und man beging die nie-drigsten, widernatürlichen Akte, bis die Sache entdeckt wurde,wo denn die L. ein volles Gestänclniss ablegte und versicherte,dass sie das Verbrechen nicht um des Geldes willen, sondernnur zur Befriedigung ihrer Liebeslust begangen habe.
9. Fetisch dienst. — Noch, weit sonderbarer sind dieFälle von Verkehrtheit, die von Binet (Hevue philosophique,August 1887) mit dem Namen feticisme erotique (Liebes-Fetisch dienst) bezeichnet werden. Wir haben schon vonLeuten gesprochen, deren Geschlechtslust beim Anblick unbe-