Zweites Kapitel. Selbstmord in Leidenschaft und Irrsinn. 49
gerathen und habe ihm auf seine Herausforderung Satisfaktionzu geben verweigert, weil er zu alt sei. Darauf sei Nurrewüthend nach Hause gerannt und habe sich die Kehleabgeschnitten.
Solche verzweifelte Entschlüsse kommen insbesondere beischwachem Verstände vor, der ohnehin zu ungemessenemHochmuth zu neigen pflegt.
9. Unverhältnissmässige Empfindlichkeit. — Bis-weilen ist die Veranlassung zum Selbstmorde zwar sehr ernst,aber doch von der Art, dass die Meisten, wenn sie auch sehrdarunter leiden, sie überwinden. In solchen Fällen muss maneine besondere hochgespannte Empfindlichkeit als Grund voraus-setzen, durch welche gewisse Schmerzen unerträglich werden.So kann ein einfacher Tadel bei einem exaltirten Wesen Ver-anlassung zu einem Selbstmorde geben. Ein Ehemann herrschtseine Gattin an, weil sie sich überlange in einem Hause auf-gehalten, und verbietet ihr den Besuch desselben für die Folge.Sie antwortet ihm: „Man wird mir niemals wieder einensolchen Vorwurf machen", schliesst sich in ihrem Zimmer einund erstickt sich.
10. Irre und Halbirre. — Auf diesem Wege gelangtman unmerklich von dem Selbstmord aus Leidenschaft zudem aus Irrsinn. Dadurch, dass irgend eine berechtigteLeidenschaft erweckt wird, nimmt auch der Selbstmord Irr-sinniger die leidenschaftliche Form an, ohne in Wirklichkeitdarauf zu böruhen. Solch ein Fall ist es, wenn sich Jemandin den Kopf setzt, alle Käfer seines Dorfes zu vernichten,60 000 L. für diesen Zweck, aber ohne Erfolg, daran setztund sich umbringt. (Brierre 1. c.)
Berryer theilt. den Fall eines Menschen mit, der sichaufhing, weil seine Mutter ihm ein paar Beinkleider nicht an-schaffen wollte. — Ein Mädchen brachte sich um, weil manihm vorwarf, eine Rosette nicht gut gestickt zu haben; eineAndere, weil sie trotz aller Schönheitsmittel Haar und Wimpernverloren; wieder eine, weil man ihr vorwarf zu viel Wasserin die Suppe getban zu haben; eine Frau, -weil ihr Mann sietadelte, dass sie die Poularde habe zu hart werden lassen;
LosiBKOSO, Der Verbrecher. II. 4