50 Erster Theil. Verbrechen aus Leidenschaft.
eine Andere wegen des Vorwurfes, dass sie zu lauge im Bettebleibe.
Apicius (s. Athenaeus 14) tödtete sieb, als er wabrnabm,dass er nur noeb 154000 Lire im Vermögen besass, was fürseinen Gaumen niebt ausreiebte. Boogston verzebrte mebr als3 Millionen in Leckerbissen, und da er nicht mebr als eineGuinee und ein Hemd übrig batte, so kaufte er dafür eineScbnepfe, ass sie und ertränkte sieb.
Hier reibt sieb der Fall des jungen Mannes an, der, bevorer sieb umbraebte, seiner Geliebten sebrieb, ibr Verlust bringeibn zur Verzweiflung und dass er obne sie niebt leben könne.Einer war reich und ledig und seine Geliebte batte verlangt,dass er sein Kind durch die Ehe mit ihr legitimiren sollte;auch er zog den Tod vor. Auch solche kamen vor, diebeim Selbstmorde Briefe hinterliessen, einen voll von Liebe,einen andern voll Schmähungen; endlich wo es hiess: „Ichkann die Liebe für eine gute, unschuldige Dame nicht über-winden", während es sich um eine öffentliche Dirne handelte,die ihr Gewerbe, von dem der Unglückliche überdies Gewinnzog, nicht aufgeben wollte.
Diese und andere Tbatsachen sprechen nicht nur für Irre-sein bei den sogenannten Selbstmorden aus Leidenschaft,sondern auch für die Neigung der Betreffenden bis über denTod hinaus zu lügen. Daraus ergiebt sich eine weitere Fehler-quelle für den Statistiker. •
Ein Geständniss wie das folgende: „Nachdem ich dieLiebe gekostet, bleibt mir nichts übrig, als zu sterben. Waskann es Süsseres geben?" spricht doch wohl mehr für Irrsinn,als für wirkliche Liebe. Ebenso ein anderer Ausspruch: „0wie dürfen wir uns freuen! es wird der letzte Schmaus sein,und dann sterben!"
Einer der Bizarresten schrieb: „Ich bin 50 Jahre alt, binimmer glücklich gewesen, konnte mir nicht vorstellen, dass esnoch eine Freude gebe, die ich nicht genossen hätte, ausge-nommen die eines schnellen und leichten Todes, da fiel mirein medizinisches Lexikon in die Hände, aus dem ich entnahm,dass es eine höchste und letzte Freude giebt, die in einer be-