Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
38
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38 Erster Theil. Verbrechen aus Leidenschaft.

hin in verhältnissmässig reicherem Maasse als bei den Männern.Vor allem ist die Sorge um die Kinder vorwaltend (25 Männer,15 Weiber).

Ich will dich und deine Tochter glücklich wissen," schreibtein unglücklicher Ehemann.Du nennst mich immer einenFeigling, der nicht den Muth habe, sich umzubringen. lebnehme die Herausforderung jetzt an, verweigere dir aber, wasDu, um mein Vermögen zu erhalten und dich meiner zu ent-ledigen, von mir forderst."

Ein sanftmüthiger Venezianer, der Mangel litt, währendsein Bruder, ein Advokat, in glänzenden Verhältnissen lebte,und diesen wiederholt, aber vergeblich, um Unterstützungangegangen hatte, bat in seinem letzten Schreiben um Hülfefür seine Kinder. Als er die Antwort, welche dahin lautete:Ich werde mich deiner Familie annehmen, wenn du todtbist" gelesen, schrieb er seinem Bruder:Jetzt bin ichtodt, du wirst für meine Familie sorgen!" und erhängtesich. Ein Anderer äusserte sich folgendermaassen:Niemandwerde um meines Todes willen behelligt, ich sterbe freiwillig,gezwungen durch die schreckliche Lage, in der ich michbefinde. Das Beisammenleben mit einem unausstehlichen Wesen,welches dir fortwährend feindlich entgegentritt, bei jeder nichts-nutzigen Gelegenbeit kreischt und tobt wie ein Hökerweib; daswie eine Furie dich verfolgt und in allem deinem Thun etwasSchlechtes vermuthet, das sich überdies, ohne sein Alter undseine Gebrechlichkeit zu bedenken, für anbetungswürdig hältund meint, die Huldigungen, welche seine Reize nicht mehrbeanspruchen können, werden Andern zu theil ein solchesLeben ist doch wohl ein unerträgliches Marterthum?"

Die Bekenntnisse der Frauen stehen oft in engem Zu-sammenhang mit der Sittenlosigkeit der Menge.Ich habeauf tausenderlei Weise versucht Arbeit zu bekommen, schreibtEine, habe aber nur Herzen von Stein oder gemeine Seelengefunden, deren nichtswürdige Anträge ich nicht hören wollte."Ein sehr hübsches junges Mädchen hinterliess ein Schreiben,worin es hiess, dass sie nichts mehr besitze, all' ihre Habe be-finde sich im Leihhause.Ich hätte ein ganzes Magazin voll