Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
37
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Zweites Kapitel. Selbstmord in Leidenschaft und Irrsinn. 37

und für Theilnahme an ihren Leiden, theils als Wunsch undHoffnung, dass die Familie durch ihren Tod glücklicher werde,deuten lassen.

Die Empfehlungen können folgendermaassen klassifizirt wer-den: 1. ihr Mobiliar den Eltern oder Denjenigen, welchen esgehört, zustellen, 2. ihre Schulden bezahlen, 3. bezüchtigendeSchriftstücke vernichten zu wollen.

Oft bricht der Angstschrei des Gewissens daraus hervor.Die handschriftlichen Bemerkungen jener seltsamen Sammlungbeweisen, dass die Erinnerung an schlimme Thaten oft die Ursachezum Selbstmorde geworden (bei 66 Männern, 12 Weibern). Oftwerden die Vergehen nur angedeutet, oftmals dagegen offenbekannt (in 18 Fällen).Ich sterbe," schreibt ein Mann,ausVerzweiflung und Reue, um der Strafe für eine Schuld, dienur ich aHein kenne, zu entgehen."

Mehrere Briefe enthalten folgende Betrachtungen.Ichhabe hier nur Schimpf und Schande gefunden un.d verlasse dasLeben."Ich bin mehr schwach als schuldig."Ich strafemich selbst um meiner Vergeben willen."

Dem Geständniss der Schuld folgt sehr oft das Verlangen,sie zu sübnen (bei 13 Männern, 2 Weibern). So schreibt ein Ehe-mann an seine Frau:Versunken in ein Leben von Unordnungund Laster, ohne Kraft, mich daraus emporzuarbeiten, trotz derVorwürfe, die ich mir täglich mache, gebe ich mir den Tod,um meine Schande zu sühnen." Ebenso eine Frau, die sichbei ihrem Manne wegen ihres schlechten Betragens anklagt; esbleibe ihr nichts übrig, als zu sterben, um ihre Schuld zu büssen;sie erinnert an die glücklichen Tage, die sie zusammen verlebt,und betheuert ihm ihre Liebe; die Verhältnisse hätten das ge-löst; nun wolle sie sterben, um sich für ihre Schwäche zu strafen.

Das spricht wieder für die Aehnlichkeit der Selbstmörder mitden Verbrechern aus Leidenschaft, hei denen die Gewissensbisselebhaft sind, während sie bei dem geborenen Verbrecher fehlen.Ziemlich viele Individuen erklärten, dass sie als Leute vonEhre sterben, ohne weitere Aufklärung.

Der Familiensinn fehlt den Selbstmördern nicht. Er er-scheint bei 30 Männern und 13 Weibern, bei den Letzteren mit-