Druckschrift 
2 (1890)
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12 Erster Theil. Verbrechen aus Leidenschaft.

Torqtiemada. Crom.well hielt es im Gegentlieil für einheiliges Werk, die Presbyterianer zu vernichten, nicht anderswie die grossen französischen Diktatoren von 1792.

14. Leidenschaften. Die Leidenschaften derjenigen,welche sich einmal plötzlich zur Begehung eines Verbrechenshinreissen lassen, sind nicht solche, die sich langsam in derSeele entwickeln und die man mehr oder weniger im Zaumzu halten vermag, wie z. B. den Geld- und den Ehrgeiz; sieschiessen vielmehr plötzlich auf, wie Zorn, platonische undkindliche Liebe oder verletztes Ehrgefühl, Leidenschaften,die in der Regel edel und öfter erhaben sind. Bei den eigent-lichen Verbrechern herrschen umgekehrt die gemeinen undthierischen Leidenschaften vor, wie die Rache, Habgier, fleisch-liche Begierde und Trunksucht. Sehr richtig sagt Marc :"Wenn die Fleischeslust befriedigt wird, so führt sie nie oderfast nie zu einem ungestümen Verbrechen, ausgenommen inFällen von wahrhaft wahnsinniger Satyriasis.

15. Beweggründe. Während die treibende Ursachezum Verbrechen bei dem Gewohnheitsverbrecher oft sehr gering-fügig ist, so steht bei den Andern Vergehen und Beweggrundin einem richtigen Verhältniss; so bei den Frauen Camicia,Raffi, Harry, Rosalia Leoni und bei Ardovino, wo getäuschteLiebe, gebrochene Treuschwüre, Entehrung 1 und bisweilensogar noch Verleumdung und Spott den Grund abgeben. DerLiebhaber der Leoni, der sie verliess, nachdem sie Muttergeworden, hatte ihr nachgesagt, sie habe sich noch 13 Anderenergeben. In dem Fall von Verani war erwiesener Ehebruchvorausgegangen. Uebertriebene Liebe zum Vaterland und dieHoffnung dasselbe retten zu können, indem man die für diegefährlichsten gehaltenen Feinde opfere, waren bei den fran-zösischen Konventsmitgliedern, ebenso bei Ch. Corday, bei Orsiniund Sand die Beweggründe; bei wieder Anderen eine schwereBeleidigung in Gegenwart geliebter Personen, oder die Nothder hungernden Kinder, oder die unausgesetzte Verfolgungeines geliebten Wesens (Riviäre).

Der Schreiber G. Rossi, 45 Jahre alt, lebte in Romin einer Kabache, wo die Panelli Schlafstellen für wenige