Erstes Kapitel. Unterseheidungszeiclien. 11
er'habe es gethan, -weil er der Urheber jenes vermeintlich zu-fälligen Todes sei. (Toselli.)
Guglielmotti, Quadi, Boulev und Zucca bekannten nichtnur, sondern übertrieben sogar ihre Schuld durch nutzloseAngaben.
12. Besserung. — Infolge dessen sind die Verbrecheraus Leidenschaft auch die einzigen unter den Verurtheilten,welche das Maximum an Besserung, nämlich 100%, gebennach Ausweis der schwedischen und preussischen Statistiken.— In Holtzendoeffs und Dymonds schönen Werken werdenbloss 2 sichere Fälle von wahrer Reue bei Verbrechern ange-führt, und das sind Verbrecher aus Leidenschaft, die Myersund Oorrigan. Erstere hatte ihren Geliebten, der sie ver-rieth, getödtet, Avurde zum Tode verurtheilt, dann begnadigtund deportirt, und Avurde eine musterhafte Gattin und Mutter(Dymond , The Laie). Oorrigan hatte während eines Wuth-anfalles seine Frau vor den Augen seiner Freunde getödtet,wurde bald von tiefer Reue ergriffen, und in Australien, wohinman ihn deportirte, einer der wärmsten und eifrigsten Missionare.(Holtzendoeff , Das Verbrechen, Seite 178. Berlin 1874.)2 andere Fälle veröffentlicht Maxime du Camp in der Revuedes Dcux Mondes 1887.
Das sind auch die Fälle, auf welche die Verfasser vonVerbrecher-Romanen sich berufen, wenn sie die Besserung derSchuldigen als eine durchweg geltende Thatsache hinstellen,die im Gegentheil, wie wir sehen werden, niemals oder fastniemals sich bewahrheitet.
13. Ausnahmen. — Reue und Gewissensbisse kennt manüberdies nicht in barbarischen oder halbbarbarischen Ländern,wo die Rache zur Pflicht wird, — auch nicht in religiösenund politischen .Dingen, wo die Erhabenheit der Ziele dasAuge des Schuldigen blendet, der sonst zwar für die LeidenAnderer nicht unempfindlich ist, wie es der geborene Ver-brecher ist, der aber in der Verdichtung aller seiner Leiden-schaften auf einen Punkt, wie das Vaterland oder Gott, füralles Uebrige unempfindlich wird. So verzieh Calvin keinemseiner Opfer, auch nach dem Tode nicht, ebenso Luther und