530 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbechers.
Daraus, wie aus der grösseren Empfindlichkeit der linkenKörperhälfte lässt sich der Schluss ziehen, dass hei dem Ver-brecher die rechte Hirnhälfte entwickelter ist als bei demgesunden Menschen, wo der umgekehrte Fall stattfindet. DieAsymmetrie, an sich schon ein Zeichen abnormer Entwickelungdes Schädel- und Gesichtsskeletes, unterstützt diese Ansicht.
Die durch Amylnitrit und durch den Hydro-Sphygmo-graphen geprüfte Gefässreaktion ist schwächer als bei Ge-sunden. Das Erröthen fehlt insbesondere bei den Dieben.Während Schmerzeindrücke keine Reaktion hervorriefen, thatenes unter Umständen lascive Bilder.
Danach ist, trotz des von Jugend auf dem Verbrecheranhangenden Leidens, sowohl seine verhältnissmässig längereLebensdauer, als auch sein grösseres Körpergewicht erklärlich.
Die Unempfindlichkeit gegen Körperschmerz und Gemüths-eindrücke erklärt bei Verbrechern und Wilden die Gleichgültig-keit gegen das Leben Anderer und gegen das eigene Leben,mehr noch die Grausamkeit, mit der sie sich zur Befriedigungvon Rache, Hass oder aus Gewohnheit an den Leiden Andererweiden. Darauf beruht auch öfter der gänzliche Mangel anGründen oder die Geringfügigkeit der letzteren für Ausübungder schwärzesten Verbrechen.
Rachedurst, Prahlen mit dem Verbrechen selbst, Trunk-sucht, Spiel und Wollust sind die einzigen den Verbrecherbewegenden Triebe. — Er weiss zwar, was Gerechtigkeit ist,er hat aber kein Gefühl dafür. Seine Moral, seine Religionsind Zerrbilder im Dienste seiner Leidenschaften.
Daher die häufigen Rückfälle, die für gewisse Vergehen■— für Aufruhr vor allem, für Diebstahl, Körperverletzung,Bigamie und Brandstiftung — fast zur Regel ohne Ausnahmenwerden. Diese, mit Hinzufügung von Landstreichen und Mord,sind es, welche bei jugendlichen Verbrechern am häufigstenvorkommen und den geborenen Verbrecher bezeichnen.
Vom juridischen Standpunkte aus wäre das nicht möglich,wären die Rückfälle nicht. Denn viele ihrer anthropologischenund biologischen Merkmale könnten auch den Taubätummen,Irren und Nachkommen tuberkuloser Eltern zugeschrieben werden.