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1 (1894)
Entstehung
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97
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Drittes Kapitel. Moralisches Irresein und Verbrechen bei Kindern. 97

Drittes Kapitel.Das moralische Irresein und das Verbrechen bei den Kindern.

I.

Einleitung.

Eine Thatsache, die vielleicht der Mehrzahl der Beobachterentgangen ist, gerade um ihrer Einfachheit und Häufigkeitwillen, und auf die bis jetzt auch Moreau, Peeez und Bainkaum hingewiesen haben, ist die, dass die Keime des mora-lischen Irreseins und der Verbrechernatur sich nicht aus-nahmsweise, sondern als Norm im ersten Lebensalter desMenschen vorfinden, gerade so wie sich beim Embryo regel-mässig gewisse Formen finden, die beim Erwachsenen Miss-bildungen darstellen, so dass das Kind als ein des moralischenSinnes entbehrender Mensch das darstellen würde, was dieIrrenärzte einen moralisch Irrsinnigen, wir aber einen ge-borenen Verbrecher nennen. Dass es auch die ganzeHeftigkeit der Leidenschaft eines solchen besitzt, wird imfolgenden nachgewiesen.

1. Zorn. Perez macht auf die Häufigkeit und das früh-zeitige Auftreten des Zornes bei den Kindern aufmerksam.In den ersten zwei Monaten zeigt das Kind durch die Be-wegungen der Augenbrauen und Hände Spuren wahrer Zorn-anfälle, z. B. wenn man es baden will, wenn man ihm' einenGegenstand wegzunehmen droht. Beim einjährigen Kinde gehtder Zorn soweit, dass es seine Umgebung schlägt, Teller zer-bricht oder nach Denjenigen, die ihm etwas angethan haben,wirft, ganz wie es die Wilden machen. (Prrez.)

Das Kind wird zornig, wenn es Schmerzen leidet oderdas Bedürfniss fühlt, zu schlafen oder sich zu bewegen, wennes sich nicht verständlich machen kann, wenn man es in seinenGewohnheiten stört oder es hindern will, zu weinen, sich aus-zutoben, wenn man es dazu anhält, gegen Fremde liebens-würdig zu sein, oder wenn man es durch die Dienstbotenstrafen lässt. Aber viel-häufiger ist die Ursache eine sinnlose.Denn bei den Kindern, wie Perez richtig bemerkt, herrschtder Eigensinn und das Triebleben vor, wie Jedermann weiss,

Lombroso, Der Verbrecher. I. 7