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1 (1894)
Entstehung
Seite
35
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. 35

seiner Zeit, aber noch mehr mit guter Behandlung, als mitGewalt und Misshandlung, wodurch die Thiere nur rachsüchtigwerden. Ein Maulthiertreiber vom Mont Cenis erzählte mir(Prof. Lombkoso), dass seine Thiere, wenn sie hungrig sind,durch keine Gewalt oder Peitschenhiebe sich zwingen lassen,auch nur zehn Schritte über die Stelle hinauszugehen, wo sieihr Futter zu bekommen gewohnt sind. Gilt es einen neuenWeg einzuschlagen, so widersetzen sie sich. Man thut dahergut, sie zuvor unbeladen auf den Weg zu führen und bei derAnkunft zu füttern; dann gehen sie auch mit der Last willig dahin.

Auch bei den schlimmsten Pferden, sagt Rodet (1. c),hilft milde Behandlung mehr als die Strenge: letztere mag beischwachen Thieren etwas ausrichten; die kräftigeren aberwiderstehen allen Bemühungen.

Alles das bestätigt für die Thierwelt, was Ferri so über-zeugend für den Menschen dargethan hat: nämlich den geringenNutzen der Strafen und die Möglichkeit, viel bessere Erfolge durchminder rohe Mittel, welche die Strafen ersetzen, zu erzielen.

Zweites Kapitel.

Das Verbrechen und die Prostitution bei Wildenund Urvölkern.

Dieselbe Schwierigkeit wie bei den Thieren verursachtdas Studium des Verbrechens bei den Wilden. Hier wie dorterscheint das Verbrechen nicht als eine Ausnahme, sondernfast als allgemeine Regel; es wird daher von Niemand alssolches aufgefasst und seine ersten Spuren vielmehr den tadel-losesten Handlungen gleichgestellt.

Das giebt sich schon in den Sprachen kund. 1

1 Pott: Etymolog. Forschungen. 1867. Böttlingk und Eoth :Sanscrit. Wörterbuch. Pictet: Origines indo-europeennes. IL 490.Petron: Lexicon linguae copticae. Gesenius : Lexicon linguae hebraicae. Vanioek: Etymolog. Wörterbuch. 1874. Tschddi: Über die Kueka-Sprache. 1862. Ferri: Omiciclio. 1883. Marzolo: Monumentistoriei rivelati coli' analisi delle parole. 1857. Lombroso: L'uomobianco e l'uomo di colore. Padua 1870. Radiguet : Les derniers sauvages.

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