Dritter Theil.
Biologie und Psychologie des geborenenVerbrechers.
Erstes Kapitel.Vom Tättowiren der Verbrecher.
Bei der bisherigen Erörterung der den Verbrecher kenn-zeichnenden Anomalien hatten wir es mit der fast unüber-windlichen Schwierigkeit zu thun, Beweismittel für den Unter-schied zwischen dem geborenen Verbrecher und dem Gelegenheits-verbrecher beizubringen. Kaum glaubten wir uns im Besitzderselben zu befinden, als sie uns unter den Händen wieder zuverschwinden drohten, wie es sich an dem Beispiel aus derKlasse der Betrüger zeigt. Bei ihnen treten nämlich die Ano-malien nur im Verhältniss von 6 bis 8 % auI ". während dieVerbrecher im allgemeinen einen Procentsatz von 43 % liefern.
Unter diesen Umständen bietet die Betrachtung der psy-chischen Eigenschaften der Verbrecher eine wesentliche Stützezur Begründung unserer Anschauungen.
Beginnen wir mit der Betrachtung des Tättowirens, einesAktes, welcher weit mehr den Charakter eines anatomischen Vor-ganges als den einer psychischen Leistung zu tragen scheint.
1. Das Tättowiren ist eine der auffälligsten Erscheinungenbeim Menschen im rohen, im Urzustände, bei dem sogen.Wilden, vor allem in Bezug auf die Bereitwilligkeit, mit derer dieser schmerzhaften Operation sich unterwirft. Bezeichnendist schon, dass der Name dafür einer oceanischen Spracheentlehnt ist.