270 Dritter Theil. Biologie und Psychologie des Verbrechers.
ein furchtbareres Aussehen zu geben. Die Skoten — nachIsidorüs — zeichneten mittelst feiner Eisen und Schwärzeseltsame Figuren auf ihren Körper. Auch römische Soldaten(Vegetius: De re mil.) trugen den Namen des Kaisers undden Tag ihres Eintrittes in das Heer mittelst Einschnitte aufden Armen.
Es giebt, wie es scheint, kein wildes Volk, das nichttättowirt ist. Die Payaguas bemalen sich das Gesicht mitDreiecken, Arabesken u. s. w. in blauer Farbe zu ihren Festen.Die verschiedenen Negerstämme unterscheiden sich voneinanderdurch horizontale oder vertikale Striche im Gesicht, auf derBrust, den Armen. 1
Auf Tahiti Hessen die Frauen bloss Hände und Füsseoder das Ohr mit Hals- und Armbändern tättowiren; einigeauch den Bauch und die Vulva; die Männer aber den ganzenKörper, die behaarte Kopfhaut, die Nase, das Zahnfleisch.
Auf den Markesasinseln hat jede reiche Familie eineneigenen Tättowirer, nach dessen Tode das Amt auf den Sohnübergeht. Im Alter von 15—16 Jahren werden die Knabenan den Fingern und Beinen zuerst tättowirt. Es geschiehtdas immer an einem heiligen Orte. Selbst die vornehmstenFrauen werden nur an den Händen und Füssen tättowirt; dieKabylenmädchen an der Stirn und den Wangen, solangesie unverheirathet sind. — Die prostituirten Araberinnen tragenKreuze oder Blumen auf den Wangen oder Armen; die Mau-resken auf der Mamma, Vulva, auf den Augenlidern; einehatte das Bildniss einer Frau auf der Mamma (Kocher).
Nichts ist nun natürlicher, als dass eine unter den Wildenund prähistorischen Völkern so eingewurzelte Sitte bei denroheren Menschenklassen sich wiederfindet, welche nicht nur diealten Gebräuche, den Aberglauben und sogar die Volksgesängehartnäckig festhalten, sondern auch dieselbe Heftigkeit derLeidenschaften, dieselbe Stumpfheit gegen den Schmerz, dieselbe
1 Zu vergleichen sind: Mantegazza: Viaggi nel America meri-Atonale. 1861—62. — Berchon: Le tatouage aux lies Marquises. 1872.— Waitz : Anthropolog. III. — Krause : lieber das Tättowiren. Göttingen1873. — Kocher: La criminälite chez les Arabes. 1884.