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1 (1894)
Entstehung
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269
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Erstes Kapitel. Vom Tättowiren. 269

mädchen tättowirten sich zum Zeichen, dass sie mannbar seien;auch unter Männern geschieht dies oft aus demselben Grunde.Darwin dürfte darin ein Mittel der Zuchtwahl erblicken.

Der Reiz der Leidenschaft erklärt auch jene hohe künst-lerische Fertigkeit in der Ausführung der Details bei Leuten,die fast keine Ahnung von Kunst besitzen, eine Vollendungder Zeichnung, welche an die auf altegyptischen und mexi-kanischen Denkmälern und zugleich an die Zartheit in Volks-liedern erinnert. Die Leidenschaft besiegt eben alle Kunst-produkte der Kultur.

h) Vielleicht ist bei uns, sicherlich aber bei den Wilden,auch die Nacktheit ein Grund dafür, sich mit einer Art vonHülle oder Schmuck bedecken zu wollen. Die Matrosen,bei denen Brust und Arme unbedeckt, und die Dirnen, welchenoft alle Kleidungsstücke entbehrlich sind, lieben vorzugsweisejenen Gebrauch, ebenso die Bergleute und die Bauern. Füreinen vollbekleideten Menschen würde ja auch das Tättowirenein Unsinn sein, da es nicht bemerkt würde.

i) Aber der erste, allererste Grund für die Verbreitungdieses Gebrauches ist der Atavismus, d. h. die Tradition, dadas Tättowiren ein besonderer Charakter des Urmenschen unddes Menschen im wilden Zustande ist. 1 In den prähistorischenHöhlen von Aurignac und in den alten BegräbnissstättenEgyptens findet man schon jene Knochennadeln, welchenoch heut den Wilden zum Tättowiren dienen. Die Assyrer(Ltjcian), Dacier und Sarmaten (Plinius) bemalten ihrenKörper mit Figuren, die Phönizier und Ebräer ihre Stirn undHände mit Linien, welche sie Gottes Zeichen nannten. Beiden Britannen, Bretonen (Brith-Malen) war der Gebrauch soverbreitet, dass man von ihnen wie von den Pikten (Olaudian),Piktonen, sogar gemeint hat, ihr Name sei davon abzuleiten.Aus Cäsar ist bekannt, dass ihre Krieger den Körper mittelstWaid [Vitrum-Isatis tinctoria [Linn.]) blau färbten, um sich

1 Lacassagne sucht den vorzüglichsten Grund nicht im Atavismus,sondern in dem Bedürfniss der Ungebildeten, gewisse Vorstellungenbildlich auszudrücken, nach dem Sprichwort:Narrenhände beschmierenalle Wände."