248 Zweiter Theil. Pathologische Anatomie und Messungen.
Blickes nie beobachtet. Die seltenen Ausnahmen, welcheman bei Erwachsenen findet, rühren von der sehr merk-würdigen, auch von Vidocq schon hervorgehobenen Erschei-nung des Doppelblickes her. — Lacenaire, Luciani,Gasparone z. B. hatten diesen Blick, d. h. sie zeigten zweiverschiedene Gesichter, das eine fast weiblich sanftmüthia:,das andere wild und katzenartig. Sie verfügten nicht etwanach Willkür darüber, sondern es wechselte je nach demZustande ihrer bald freundlichen, bald wilden Stimmung.Dadurch erklärt sich die in zwiefacher "Weise bezauberndeGewalt, die sie insbesondere über das weibliche Geschlechtübten, das sich zunächst durch den gefälligen Schein bestricken,dann aber durch die Energie und deD Schrecken fesseln Hess.Daher auch in vielen Fällen die kaum glaubliche Theilnahmeund Mitschuld an ihren Unthaten.
Ich habe auch bemerkt, dass, wenn man einen sanguini-schen Menschen zu einer starken Anstrengung veranlasst, z. B.das Dynamometer zusammenzupressen, oder ein schweresGewicht aufzuheben, dass dann sein Gesicht und besonderssein Blick diesen wilden Ausdruck annimmt, der dem Ver-brecher im Augenblick des Verbrechens eigen ist.
5. Genese. — Es dürfte nicht schwierig sein, einigeandere Anomalien auf Grund von Atavismus und Entwickelungs-hemmung zu erklären, z. B. den männlichen Ausdruck desWeibes, den voluminösen Kiefer, die behaarte Stirn, den unregel-mässigen Ansatz der Ohren, die Auftreibung der Stirnhöhlen,das Vorspringen der Zahnbeinfortsätze, die Fülle und dieFärbung des Kopfhaares, den Mangel des Barthaares. Das istso unzweifelhaft, dass, abgesehen vom Blick, der mongolischeund lappische Rassentypus oftmals den Typus eines italienischenVerbrechers von Geburt reproducirt zu haben scheint.
Das Glotzauge entsteht oft durch Hirnhyperämie; dieVerkürzung der Lippe dürfte von den durch den Hass hervor-gerufenen Kontraktionen herrühren. Für die Grausamkeit ist derMund der Mittelpunkt ihres Ausdruckes, vielleich weil Tödtenund Fressen in anthropologischer Beziehung zwei aufeinanderfolgende Aeusserungen eines und desselben Zustandes sind.