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1 (1894)
Entstehung
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246
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246 Zweiter Theil. Pathologische Anatomie und Messungen.

hohem Grade besitzen, und auf dem Widerwillen, den sie beimersten Anblick gewisser Physiognomien empfinden, ihr meistzutreffendes Urtheil begründen. Ich kannte eine Dame, die,fern von dem Treiben der Welt, trotz dessen zweimal injungen Leuten den von Niemand geahnten verbrecherischenCharakter erkannte. Am merkwürdigsten ist in dieser Be-ziehung der Fall des Mörders Francesconi. Man findet inseinem Gesicht eigentlich nichts auffallend Verdächtiges, seineStirn ist hoch, sein Bart voll, die Stirnhöhlen und die Kieferragen kaum merklich hervor. Und dennoch ereignete es sichJahre zuvor, ehe er sein Verbrechen beging, dass eine jungeDame von 16 Jahren, die niemals ihr elterliches Schloss ver-lassen hatte, die nachherige Gräfin della Rocca, sich wider-willig von ihm abwandte, und als man sie um den Grundihrer Abneigung fragte, sofort erwiderte:Wenn er nichtschon ein Mörder ist, so wird er es werden!" Aufmeine Frage, woraus sie den Schluss zu dieser nur zu schnellverwirklichten Prophezeiung gezogen habe, gab sie die Ant-wort:Aus seinen Augen!"

Die Erfahrung hat man nicht selten gemacht, dass un-schuldige, der Verbrecherwelt fernstebeude Leute, durch deneigenthümlichen Blick eines Mörders gewarnt, einem sichernTode entgangen sind. Das war auch der Fall bei dem Manne,den Francesconi als erstes Opfer sich ausersehen hatte.

Auf meine Veranlassung wurden daher 40 jungen Mädchenvon ihren Lehrern 20 Photographien von Dieben und 20 dergl.von ehrlichen Leuten vorgelegt; fast die Hälfte jener Kinder(48 °/o) erkannte in den Bildnissen der Diebe das widrigeGaunergesicht und in den anderen das des ehrlichen Mannes.

Dem unwillkürlichen, aber allgemeinen Bewusstsein, dasses einen dem Verbrecher eigenthümlichen Gesichtsausdruckgiebt, verdankt man die Bezeichnungen:Spitzbuben-, Mörder-gesicht" u. s. w.

Darum ist der Widerstand, den gewisse Leute all diesenBehauptungen entgegensetzen, nur daraus erklärlich, dass mansich scheut, aus individuellen Anschauungen allgemeine Schlüssezu ziehen.