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1 (1894)
Entstehung
Seite
127
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Drittes Kapitel. Moralisches Irresein und Verbrechen bei Kindern. 127

sichts imd Behaarung der Stirn welche Anomalien, mitAusnahme der letztgenannten, sämtlich mit denen der er-wachsenen Verbrecher zusammenfallen. Auch in Bezug aufdie Erblichkeitsverhältnisse ist die Analogie zwischen denjugendlichen und den erwachsenen Verbrechern unverkennbar,und spricht sich hier dieselbe in dem Vorherrschen der Trunk-sucht, des Irreseins und der sittlichen Verkommenheit bei denEltern oder Verwandten der betreffenden Individuen aus.

Indessen steht es fest, dass bei einem bedeutenden Theilejugendlicher Verbrecher, nämlich bei 79 Procent, keine aus-gesprochene erbliche Belastung vorlag.

2. Unbezüchtigte. Zur Vervollständigung diesesStudiums mussten andererseits Untersuchungen an Kindern vonmuthmasslich untadelhafter Führung angestellt werden; undwir haben solche in verschiedenen Asylen und Schulen unter-nommen. Wir untersuchten im ganzen 900 Kinder; doch bei740 von ihnen haben wir genauere Untersuchungen nur andenen angestellt, die uns von den Lehrern als lasterhaft be-zeichnet worden waren. Von 490 Knaben vom 1.3. Ele-mentarkursus wurden nur 8 als lasterhaft bezeichnet. Davonwaren 4 echte Diebe, 2 Lügner; 2 waren schlecht gegen ihreKameraden und misshandelten dieselben.

Bezüglich der Verwandtschaftsverhältnisse dieser 8 Knabenist zu bemerken, dass einer derselben von unehelicher Geburt,ein Bruder und eine Tante eines anderen Verbrecher waren;ein dritter hatte eine untadelige Schwester; von den übrigen warnichts bekannt. Zwei von diesen Knaben werden nie roth;von den übrigen zeigt einer eine gewölbte Stirn und kleineAugen, Vorspringen der grossen Fontanelle und Prognathismus;ein anderer, 9 Jahre alt, diebisch, hat den Gesichtsausdruckeines fünfzehnjährigen Burschen; er ist dolichokephal, prognath,mit abstehenden Ohren; kennt das Kauderwelsch (er istderselbe, der einen Bruder und eine Tante hatte, welche alsVerbrecher quaMcirt wurden).

Unter 150 drei- bis sechsjährigen Kindern eines Asylsfand ich zwei Knaben, welche Onanie trieben, und einen,welcher stahl.