78 Erster Theil. Uranfang des Verbrechens.
Schweinefleisch isst, oder dem Chinesen, der sich zwar nichtdavor scheut, sich zu prostituiren, wohl aber davor, seinen Fusszu zeigen.
Dieselbe Moral, durch welche die Vertheilung des Emugeregelt wird, regelt die Blutrache, und zwar eine ganz blinde;z. B. ein von einem Weissen Beleidigter rächt sich nicht amBeleidiger, sondern an allen Weissen.
So ist für die Australier jeder Todesfall durch irgendeine angebliche böse Beeinflussung bewirkt und schreit deshalbnach Bache.
Ein Australier, erzählt Sander (Letourneaü), verlor seineFrau an einer Krankheit und erklärte, er habe dafür dieVerpflichtung, eine Frau von irgend einem andern Stamm zutödten. Er wurde deshalb mit Gefängniss bedroht. Von demTage an wurde er schweigsam, hatte Gewissensbisse bei demGedanken, seine Pflicht zu versäumen, bis er sich davon machteund nach einiger Zeit zufrieden heimkehrte, nachdem er seineheilige Pflicht erfüllt hatte. Man sieht (bemerkt Letourneaüdabei), dass gewisse Ideenassociationen sich allmählich in dieCentren unseres Bewusstseins eingegraben haben und bei ge-gebenem Anlass unausbleiblich hervorbrechen müssen.
Aber ich möchte noch hinzufügen, dass dies noch mehrdeshalb geschieht, weil derselbe Mensch, der an kleinen Ver-änderungen ein lebhaftes Vergnügen empfindet (wie das kleineKind, dem man ein neues Spielzeug giebt, der Wilde, demman die elliptische Tättowirung in eine kreisförmige verwandelt),von tiefem Unbehagen ergriffen wird, wenn die Neuerungenzu radikal sind. In diesem Missbehagen, das er durch Bachezu beschwichtigen sucht, drückt sich der Schmerz aus, den erbei der Verpflichtung, die Neuerung zu begreifen, und bei demZwang empfindet, das eigene Ich zu rasche Schritte machenzu lassen, denen er nicht gewachsen ist, da die Trägheit unddie Wiederholung angewöhnter Bewegungen, eigener oder ver-erbter, die eigenste Natur des gewöhnlichen Menschen und derThiere ist.
So haben wir gesehen, wie die Hausthiere Widerwillengegen jede grosse Neuerung zeigen, z. B. gegen das Gas, den