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1 (1894)
Entstehung
Seite
77
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. 77

werden als Attentate gegen das Besitzrecht des Gatten auf dieFrau. (Letourneaü.)

Bei den Azteken finden wir auch die Bestechung derRichter, die Trunkenheit, und bei den Assinen die Zaubereiund die Vergiftung.

Bei den Juden: das falsche Zeugniss, die Unzucht, dieSodomie, sowie die Körperverletzung und vor allem denGötzendienst, der das grösste Verbrechen ist.Die ganze Stadt,darin Götzendiener sind, ist verflucht, und die Bewohnerkommen durchs Schwert um zur Ehre des Gottes, dessenNamen auszusprechen schon ein Verbrechen ist."

rv.

Die wahren Verbrechen der "Wilden sind die gegendas Herkommen.

Die wirklichen Verbrechen reduciren sich bei den Wilden,sogar bei den bestorganisirten, auf sehr wenige und auch diesenicht nach einer feststehenden Regel. Was bei uns für Ver-brechen gilt, ist es bei ihnen nicht, und umgekehrt: was wirkaum für ein Vergehen ansehen, das ist für sie äusserst straf-würdig oder gilt, wenn es bei Fremden geschieht, für denAusdruck einer niedern Kulturstufe.

Dahin gehören vor allem die Verstösse gegen die landes-üblichen, namentlich aber gegen die religiösen Gebräuche, Ge-wohnheiten, überhaupt gegen das Herkommen, das zu allenZeiten und allerorten mit der Vorstellung vom göttlichenBecht zu einem unantastbaren Ganzen verquickt worden ist.

So dürfen in Australien nur die Häuptlinge und dieAlten das Fleisch des Emu geniessen. Wenn ein ehrlicherjunger Mann der Versuchung erliegt und von einem getödtetenEmu isst, wird er von Gewissensbissen gepackt, verfällt inMelancholie und verlangt selbst, bestraft zu werden. (Stuart:Histoire universelle des voyages, S. 43.)

Ebenso ergeht es dem Hindu, der gewisse dem Bra-mmen allein erlaubte Getränke trinkt, oder dem Juden, der