Druckschrift 
1 (1894)
Entstehung
Seite
72
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72 Erster Tbeil. Uranfang des Verbrechens.

ist, öffnet die Brust des Leichnams und taucht in das dampfendeBlut die Talismane seines Gottes, die ihm am Halse hängen.Dann reisst er der Leiche das Herz oder die Leher aus undisst ein Stück zum Zeugniss der Vollendung seiner Rache.Dem Volk ist nie gestattet, Menschenfleisch zu essen; das istdas Recht und auch die Pflicht des priesterlichen Häuptlings."

Bei einigen Indianern von Nordamerika zeigt sich derKannibalismus als Fortsetzung der Blutrache, die am Feindegeübt wurde. Auch für die Indianer von Guayana ist dieMenschenfresserei einfach ein Racheakt.

Auf der Insel Bow verzehrte man die Mörder, und diesesist der einzige Ort in Polynesien, wo man den gerichtlichenKannibalismus konstatirt hat. Nach Bourgarel wurde er auchin Neukaledonien als öffentlicher Racheakt gegen die zumTode Verurtheilten geübt. Nach Marco Polo war er bei denTataren in Gebrauch.

6. Soweit stehen die psychologischen und juristischen Ver-hältnisse der wilden Völker im entschiedenen Gegensatz zudenen der civilisirten. "Wie aber in der Natur nichts unver-änderlich ist, so können wir selbst in diesen natürlichen Ver-hältnissen der Wilden einen doppelten Entwickelungsprocessunterscheiden, der einerseits sie zu den allmählichen Ueber-gängen einer geringeren Wildheit führt und andererseits inihnen die Keime der moralischen Gefühle und der juristischenInstitutionen entwickelt, wie sie in der geschichtlichen Evo-lution des Todtschlages sich beobachten lassen. (Ferri.)

Hat die im obigen behufs Verdeutlichung des Gegensatzeszwischen dem Urmenschen und dem civilisirten Menscheninnegehaltene Reihenfolge der verschiedenen Formen desMenschenmordes einen immer wachsenden Grad von Wildheiterkennen lassen, so zeigt sich andererseits auch eine fort-schreitende Abnahme in der Verminderung der abschreckend-sten Formen.

Die Tödtung aus Ruhmsucht und aus brutaler Bosheit,die Menschenfresserei im Kriege und aus blosser Leckereiwerden immer seltener, während die religiöse Tödtung und derreligiöse Kannibalismus fortdauern und anfänglich der ganze