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1 (1894)
Entstehung
Seite
73
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. 73

Körper, später nur noch einige Theile verzehrt werden. Dar-auf folgt dann das Thieropfer und ganz zuletzt nur noch sinn-bildliche Figuren (bei den Mexikanern das Bild des GottesQuitzalcoatl aus Mehl und Blut; bei den Chinesen die Papier-figuren, die feierlich verbrannt wurden; bei den Römern dieOscilla" genannten Statuetten). Die letzte und unbewussteManifestation dieser Symbolik ist die katholische Hostie, wieWaitz und Vogt bemerken. (Ferri.)

Aber nicht allein dieses; sondern der Menschenmord undder Kannibalismus nehmen in der Blutrache seit den Ur-zeiten auch eine moralische und juristische Form an, die ausihnen wirklich den Keim [zu dem späteren socialen Vergel-tungsrechte entnahm und es ersetzte, solange als dieses nochnicht organisirt war. (Ferri.)

III.

Diebstahl und andere Verbrechen.

Die wirklich wilden und ursprünglichen Stämme, diekeinen eigentlichen Besitz haben, kennen die Idee des Eigen-thums nicht und deshalb noch weniger die des Diebstahls.

In Aegypten war die Profession des Diebes eine anerkannte.Wer sie ausüben wollte, schrieb seinen Namen in eine öffent-liche Liste ein und trug an einen und denselben Ort alle ge-stohlenen Sachen, wo sie die Besitzer wieder holen konntengegen Entrichtung einer bestimmten Summe. 1 Die Germanenwollten, dass ihre Jünglinge, um nicht im Müssiggang zu er-schlaffen, sich darin übten, die Habe der Nachbarn weg-zutragen. 2 Thuctdides bezeugt, dass die Griechen und alleBarbaren, die die Inseln und die Küsten am Festlande be-wohnten, der Seeräuberei ergeben waren und sich dessennicht etwa schämten, sondern sich vielmehr eine Ehre daraus

1 A. Gellius. XI., 18: Aegyptiis omnia furta licita et impunita.

! Caesar de hello gallico. VI., 23: Latrocinia nullam habent infamiam,quae extra fines cujusque civitatis fiunt, atque ea juventutis exoriundaeac desidiae minuendae causa fieri praedicant.