52 Erster Theil. Uranfang des Verbrechens.
kommen, und zwar die Mädchen mehr als die Knaben. (Le-totjrneau, S. 134.)
Diese Sitte herrscht in ganz Melanesien. Der Australiertödtet leicht sein neugeborenes Kind, wenn es ein Mädchenist oder wenn die Geburt schwer war. — In Indien, vonCeylon bis zum Himalaya, ist der Kindesmord durch dieReligion geheiligt, nicht nur bei den roheren Ureinwohnern,sondern auch unter den Radschputas, den edlen Klassen, welchesich für entehrt halten, wenn sie eine unverheirathete Tochterbehalten müssen. Die Bewohner der Insel Tikopia dagegentödten häufiger die Knaben; daher herrscht bei ihnen dieVielweiberei.
In Japan und in China war und ist der Kindesmord, wiebereits Marco Polo berichtete, ein gewaltiges Mittel des Mal-thusianismus.
Ebenso ist es bei den Bewohnern der Fidschi- und derSandwich-Inseln, bei den Buschmännern, den Hottentotten undden Indianern Nord- und Südamerikas. Auf Tahiti wurdenden Angaben der Missionäre zufolge nicht weniger als zweiDrittel der Kinder von ihren Eltern ermordet. Bei vielenIndianerstämmen in Paraguay erzog jede Frau nur ein Kind;und da nur das jüngste verschont wurde, so kam es oft vor,dass die Weiber kinderlos blieben.
Bei einigen Stämmen Südafrikas legen die Eltern ihreKinder als Lockspeise in die Löwenfallen, und in einigenGegenden Australiens tödten die Eingeborenen ihre Kinder,um ihr Fett als Köder zum Fischen zu verwenden.
Bei den Guarany tödten die Mütter oft ihre Töchter, da-mit die übrig bleibenden mehr geschätzt werden. (AzARA: ViaggineW America. 1835.)
Eine andere Veranlassung zum Kindesmorde giebt fernerder Tod der Mutter, indem viele Wilde mit dem Leichnameeiner Frau auch ihre Kinder zusammen begraben, weil sieglauben, dass die Mutter, vom Aufenthalte der Tödten aus(dem Khillo) ihr Kind zu sich ruft.
Vielleicht kommt hier auch die Schwierigkeit der Er-ziehung der kleinen Waisen in Betracht. — Diese Sitte