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1 (1894)
Entstehung
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51
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Zweites Kapitel. Verbrechen und Prostitution bei Wilden. 51

bilden für den Wilden eine drohende und fortwährende Ge-fahr. Daraus erklärt sich der niedrige Stand der Sittlichkeitbei den Urvölkern und die grosse Zahl der Tödtungen, die beiihnen nicht nur straflos, sondern oft als sittliche und religiösePflicht und auch als rühmlicbe Handlung begangen werden.

Die vorsätzliche Fruchtabtreibung, die als solche denThieren unbekannt ist, ist unter den Wilden sehr verbreitet,und erst im Zend-Avesta begegnen wir Vorschriften, welchesie verbieten.

Unter den Tasmaniern wollten die Weiber nur nach mehr-jähriger Ehe Mütter werden, um länger das frische Aussehenzu bewahren, daher suchten sie durch wiederholte Schläge aufden Bauch ihre Frucht abzutreiben.

Gebräuchlich ist die Fruchtabtreibung auch in Amerika,an der. Hudsonsbay und im Stromgebiete des Orinoco. InLa Plata treiben die Payaguas ihren Frauen, wenn sie schonzwei Kinder gehabt haben, die Frucht ab, und ebenso thunes ihre Nachbarn, die Mbayas. Unter den Papua von Andaisterben die Frauen jung infolge der allgemeinen Sitte, nachdem ersten oder zweiten Bände die Frucht abzutreiben.

Besonders aber auf den Inseln, wo die Nahrungsvorräthespärlich sind, werden die Fruchtabtreibung und die Tödtunggestattet. Ja, auf der Insel Formosa wird die Fruchtabtreibung,trotz der geringeren Barbarei der Einwohner, im Interesse desöffentlichen Wohlstandes und folglich der öffentlichen Moralzur Pflicht gemacht; ein Weib darf nicht vor dem 36. JahreKinder haben, und es giebt besondere Priesterinnen, welchejedem Weibe, das vor diesem Alter schwanger wird, denAbortus besorgen. In Neukaledonien werden zu diesem Zweckeunreife Bananen genossen.

2. Kindesmord. Auf denselben ursächlichen Mo-menten beruhend, ist der Kindesmord bei den Wilden nochviel häufiger als die Fruchtabtreibung, vielleicht weil dieseauch die Mutter gefährdet und auch schwerer zu bewerk-stelligen ist.

Vor allem ist es die Kegel, dass die Kinder geopfertwerden, welche nach dem erst- oder zweitgeborenen zur Welt